Castor-Alarm in NRW!

Neue Atommülltransporte drohen im kommenden Jahr

  • Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

288 161 tennisballgroße Kugeln sollen umziehen. Das Problem: Die Kugeln sind nicht so harmlos wie Tennisbälle. Es handelt sich um hochradioaktiven Abfall aus dem 1988 abgeschalteten Forschungsreaktor in Jülich. Um die Brennelementekugeln gab es immer wieder politischen Streit. Auch in der Frage, was jetzt mit ihnen passieren soll, herrscht Uneinigkeit.

Die Grundlagen: Die Genehmigung für das Lager am ehemaligen Forschungsreaktor in Jülich hat seit 10 Jahren keine Genehmigung mehr. Das ist aus Sicht der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen in Ordnug, weil bislang keine der anderen Optionen möglich ist. Eine Option wäre die Verschiffung in die USA, wo die Kugeln herstammen. Das wurde allerdings wegen des hohen Aufwands ausgeschlossen. Die verbleibenden Optionen: entweder ein neues Lager in Jülich oder die Verbringung des Atommülls in das Zwischenlager Ahaus. Forschungszentrum und Entsorgungsgesellschaft in Jülich bevorzugen die letzte Option. Sie sei am günstigsten und effizientesten, heißt es. Man zahlt schon eine jährliche Miete von einer Million Euro in Ahaus und hat sämtliche Vorbereitungen für den Transport getroffen. Die radioaktiven Kugeln sind in 152 Castoren verpackt, spezielle Lkw wurden angefertigt. Aus Jülicher Sicht kann es losgehen. Auch vom Bund wird diese Option bevorzugt, wegen der Kosten.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung favorisiert hingegen die Einlagerung in Jülich. Im Koalitionsvertrag haben CDU und Grüne festgelegt, Atomtransporte »minimieren« zu wollen. Im aktuellen Haushalt hat die Landesregierung Gelder für den Ankauf eines Grundstücks bereitgestellt.

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Doch Forschungszentrum und Entsorgungsgesellschaft in Jülich verfolgen in erster Linie die Option des Abtransports nach Ahaus. In der Anti-Atom-Bewegung, die am Sonntag mit 200 Menschen in Ahaus und anderen Städten protestiert hat, vermutet man, dass Jülich den Müll loswerden will, um als sauberes Spitzenforschungszentrum dazustehen und nicht ständig mit den strahlenden Abfällen in Verbindung gebracht zu werden.

Ende des Jahres könnte eine Genehmigung für die Transporte vorliegen, bei der Entsorgungsgesellschaft ist man optimistisch. Der Transport der Castoren soll dann etwa zwei Jahre dauern. Immer wieder soll hochradioaktiver Abfall über die Straßen von Nordrhein-Westfalen rollen. Im Weg stehen könnten dem allerdings noch Klagen. Die Stadt Ahaus hat schon gegen die Einlagerungsgenehmigung geklagt. Auch Klagen gegen die anstehende Transportgenehmigung sind möglich.

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