Hohe Hürde

Mojtaba Khamenei hat sich in Irans Politik Feinde gemacht

  • Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 2 Min.
Machtkampf im Iran: Hohe Hürde

Wird Sayid Mojtaba Hosseini Khamenei seinen Vater Ajatollah Ali Khamenei (85) als Oberster Führer der Islamischen Republik Iran beerben? 51 Jahre, zwei Kinder, Theologiestudium und Strippenzieher im Hintergrund: Als eine Art Unterhändler sorgte er dafür, dass im komplexen Machtgefüge aus Ajatollah, Regierung, Revolutionsgarden und Parlament das durchgesetzt wurde, was man im Büro des Obersten Führers für richtig hielt, ohne dass sein Vater sich direkt zu Wort melden musste. Denn der Ajatollah verfügt nicht nur über eine riesige Machtfülle, sondern soll auch geistlicher Führer sein. Und politisches Alltagsgeschäft verträgt sich nicht mit der Rolle des höheren Wesens. Jahrelang waren Mojtaba Khamenei und Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad Verbündete. Doch heute sind die beiden bittere Feinde: Ahmadinedschad hat sich selbst für das Amt des Staatsoberhaupts ins Spiel gebracht. Vor einiger Zeit warf er Khamenei vor, Staatsgelder veruntreut zu haben.

Bemerkenswert ist, dass Mojtaba Khamenei trotz des Einflusses seines Vaters bis heute über keine religiösen Titel verfügt. Der Verfassung nach muss das Staatsoberhaupt aber ein »religiöser Gelehrter« sein. Kurz erklärt: Ajatollah ist der höchste Titel, den man in der im Iran vorherrschenden Ausrichtung des Islam erreichen kann; insgesamt gibt es rund 5000 davon. Um Ajatollah zu werden, muss man den Titel des Hodschatoleslam erreicht haben. Es erscheint schwer vorstellbar, dass sich die Mitglieder des Expertenrats bei der Wahl des Nachfolgers für einen Kandidaten entscheiden würden, der sich nicht nur einflussreiche Feinde gemacht hat, sondern auch die Qualifikation dafür nur mit vielen Verrenkungen erfüllt.

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