Entscheidung in EM-Gruppe C: Ein Dreckschwein tritt ins Licht

Bei Dänemark, dem möglicherweise nächsten Gegner der deutschen Fußballer, bahnt sich ein Generationenwechsel an

  • Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.
Morten Hjulmand (v.) verteidigte gegen England stabil und traf zum 1:1.
Morten Hjulmand (v.) verteidigte gegen England stabil und traf zum 1:1.

Besonders gut ist die Stimmung rund um Englands Nationalteam bei der EM bisher nicht. Doch bei diesem Angebot musste Harry Kane lachen. Ein Reporter hatte versucht, den beim FC Bayern angestellten Kapitän der »Three Lions« mit Thüringens Vorzügen von einem Wechsel zum Siebtligisten SG Lauscha/Neuhaus zu überzeugen. »Rostbratwurst all you can eat, Freigetränke und Mindestlohn«, stellte der Reporter in Aussicht. Er werde mit seinem Berater reden, kündigte Kane ebenso scherzhaft an.

Weniger witzig findet Kane die Kritik der zahlreichen heimischen Fußballexperten. Vor allem bezog er sich auf den früheren Nationalspieler Gary Lineker, der befunden hatte, Englands EM-Leistungen gegen Serbien (1:0) und Dänemark (1:1) seien »scheiße« gewesen. Kane unterließ zwar eine derbe Wortwahl, seine Botschaft aber fiel deutlich aus. »Ich würde nie respektlos gegenüber ehemaligen Spielern sein. Ich würde vielmehr sagen, dass sie sich daran erinnern sollten, wie es war, das Trikot zu tragen«, ließ er wissen.

Der Stürmer sähe selbst dann »keinen Grund zur Panik«, wenn sein als Topfavorit gestartetes Team an diesem Dienstag gegen Slowenien in Köln auf Platz zwei abrutschen und damit Deutschlands Achtelfinalgegner werden sollte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es die deutsche Auswahl mit Dänemark zu tun bekommen wird, das in der Gruppe C vor dem Parallelspiel gegen Serbien in München derzeit Platz zwei belegt. Gewinnen die Favoriten England und Dänemark, trifft Deutschland am Samstag in Dortmund auf die Dänen.

Beim nördlichen Nachbarn ist Hjulmand gerade dabei, aus Christian Eriksens Schatten ans Licht zu treten. Dem 32-jährigen Star Eriksen war wegen seiner Rückkehr auf die EM-Bühne nach seinem Kollaps beim Turnier 2021 viel Aufmerksamkeit zuteil geworden. Doch nicht nur mit seinem Tor aus gut 25 Metern zum 1:1 gegen England im zweiten Gruppenspiel zieht nun auch der defensivere Mitteldfeldspieler Hjulmand die Blicke auf sich. Es war sein erster Treffer für das A-Nationalteam.

Obwohl er und sein Trainer Kasper Hjulmand laut des Portals herognu.dk zwei von nur 206 Hjulmands in ganz Dänemark sein sollen, sind sie nicht miteinander verwandt. Wären sie es, würde der Trainer Hjulmand seinen Spieler Hjulmand vielleicht mit jenem Kosenamen ansprechen, den er zu Hause von seiner Familie zu hören bekommt: Skovmus – die Waldmaus. Unter Fußballern hört Morten Hjulmand wegen seiner robusten Spielweise und eines teils draufgängerischen Temperaments eher auf den derben Spitznamen møgsvin (Dreckschwein), wie Dänemarks öffentlich-rechtlicher Sender DR berichtet. Die Bezeichnung sei aber positiv gemeint, heißt es in dem Beitrag.

Der Mann, der an diesem letzten Gruppenspieltag 25 Jahre alt wird, feierte erst vor einem Dreivierteljahr sein Debüt in Dänemarks Nationalteam. Vor der entscheidenden Partie gegen Serbien steht er bei neun Einsätzen, ist bei der EM im defensiven Mittelfeld aber schon gesetzt. »Sehr aufgeregt«, sagt Hjulmand, sei er zu Turnierbeginn gewesen, aber er wolle sich »nicht kneifen«, sondern einfach seinen EM-Traum weiterleben.

Gegen England hatte Hjulmand seinen Job gegen Jude Bellingham sehr stabil erledigt und nebenbei noch Zeit für seinen wuchtigen Rechtsschuss zum 1:1 gefunden. Derlei Leistungen stützen die Prognose, wonach der Profi von Portugals Meister Sporting Lissabon bereits als künftiger Anführer betrachtet wird. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass man bei Sporting in ihm den Typus des Kapitäns sieht«, sagt Dänemarks Assistenztrainer Morten Wieghorst und sieht Hjulmand auch in der Nationalelf bald in einer Führungsrolle: »Es wird eine Zeit kommen, in der andere übernehmen müssen, und Morten Hjulmand wird einer von ihnen sein.« Zunächst aber geht es für Hjulmand gegen Serbien auch darum, seine körperbetonte Spielweise mit Bedacht einzusetzen. Nach einer weiteren gelben Karte wäre er in einem möglichen Achtelfinale gegen Deutschland gesperrt.

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