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Spanien freut sich auf ein großes »Finale« gegen das DFB-Team

Der Turnierfavorit erwartet im Viertelfinale die »Fußballmacht« Deutschland

Für Nico Williams (r.) brauchten die Georgier etwas mehr Abwehrpersonal.
Für Nico Williams (r.) brauchten die Georgier etwas mehr Abwehrpersonal.

Es gibt gerade nur wenige Fußballinteressierte, die auf die Frage nach dem Favoriten dieser Europameisterschaft nicht mit Spanien antworten. Das liegt auch daran, dass alle anderen hoch gehandelten Mannschaften bislang mehr oder weniger enttäuschen: England quälte sich am Sonntag gegen die Slowakei ins Viertelfinale, Franzosen und Niederländer wirken ebenso gehemmt. Und die Mannschaft Italiens war der eines Titelverteidigers nicht würdig, sie ist längst wieder zuhause. Einen der freigewordenen Plätze im Favoritenkreis hat sich nach Jahren des Niedergangs das deutsche Team erspielt. Im Viertelfinale treffen nun beide aufeinander. In der Partie am kommenden Freitag sehen wiederum nicht wenige das vorgezogene Endspiel dieses Turniers. Spaniens Trainer Luis de la Fuente geht noch weiter und findet, dies könne sogar ein WM-Finale sein.

Es ist die Art des Fußballs, die Spanien übermächtig erscheinen lässt. In der Gruppenphase gelangen dem Team als einzigem drei Siege, die bisherige EM-Bilanz: vier Spiele, vier Siege mit einem Torverhältnis von 9:1. Den Gegentreffer kassierte das Team am Sonntagabend in Köln. Außenseiter Georgien war sogar in Führung gegangen, ein klare Angelegenheit blieb das Achtelfinale dennoch: 108 Angriffe hatten die spanischen Fußballer vorgetragen und dabei 36 Torschüsse abgefeuert. Die Georgier suchten dagegen nur 13-mal den Weg nach vorn. Am Ende stand nach Toren von Rodri, Fabian Ruiz, Nico Williams und Dani Olmo ein 4:1 – und de la Fuentes Überzeugung: »Wir sind die beste Mannschaft und haben die besten Spieler der Welt.«

Beharrliches Passspiel

Die Dominanz auf dem Platz erinnert an die Zeit der spanischen Vorherrschaft im Weltfußball, als das Nationalteam 2008 und 2012 Europameister wurde und zwischendurch noch den WM-Thron eroberte. Wenn man heutzutage die Nachfolger von Xaxi, Iniesta und Co spielen sieht, vergisst man schnell, dass auf den Stadiontribünen dieser Welt lange Zeit nicht nach den Klängen des bekannten Lieds »Viva España« getanzt wurde. Nach dem Vorrundenaus 2014 war bei den folgenden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 das Achtelfinale Endstation.

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Jetzt bespielen die Spanier ihre Gegner wieder mit jener Beharrlichkeit, die kaum Luft zum Atmen lässt. Schon nach sieben Minuten forderte Georgiens Abwehrchef Guram Kashia sein Team am Sonntagabend laut und gestenreich auf, etwas weiter vorn anzugreifen. Vergebens, der Dauerdruck presste meist alle georgischen Spieler in die eigene Hälfte. Spektakulär ist das dabei entscheidende spanische Stilmittel nicht: 823 Pässe, dreimal so viele wie der Gegner, ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Den Takt bestimmt, wie einst Xavi, nun Rodri. »Er ist der Mittelpunkt von allem, was wir tun«, sagte de la Fuente über seinen Chef auf dem Platz.

Unerträgliche Leichtigkeit

Die Georgier liefen 90 Minuten nur hinterher, vier Kilometer mehr aber hatten am Ende die Spanier zurückgelegt. Diese Bereitschaft ist die Basis für das beeindruckende Pressing gegen Ball und Gegner, das die Vorbilder vom FC Barcelona des Pep Guardiola und später das jahrelang unbesiegbare spanische Nationalteam perfektioniert hatten. All diese Arbeit verrichten die Spanier wieder mit einer für jeden Gegner unerträglichen Leichtigkeit des Seins. Weil es erst Luis de la Fuente, seit März 2023 im Amt, wieder geschafft hat, dem Spiel die notwendige Balance zu geben.

In den Schlagzeilen sind Spieler wie der 21-jährige Nico Williams oder der fünf Jahre jüngere Lamine Yamal. Schon das recht systematische Spiel der Spanier ist kaum zu kontrollieren, die beiden Außenstürmer sorgen zusammen mit dem trickreichen Pedri für die offensiven Überraschungsmomente. Ähnlich herausragende Einzelspieler hatte Spanien immer. Sie aber so zu integrieren, dass die Raumaufteilung meist auch defensiv vorbildhaft ist, dies gelang dem Trainer. »Spanien ist der Perfektion nahe«, bejubelt beispielsweise die Sportzeitung »Marca« die Rückkehr der Dominanz. Zu beweisen wäre dies mit einem weiteren Sieg am Freitag im Viertelfinale. Und weil es dort laut Luis de la Fuente gegen die »Fußballmacht Deutschland« geht, sagte er, dass auch die weltbeste Mannschaft »nicht zwangsläufig gewinnt«.

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