- Politik
- Protestaktion von »Reporter ohne Grenzen«
Gaza: Wo niemand mehr berichten kann, bleiben Bildschirme schwarz
Das »nd« folgt dem Aufruf von »Reporter ohne Grenzen« und beteiligt sich am »Media Blackout«-Aktionstag für Gaza
Reporter ohne Grenzen (RSF) hat für den 1. September den Medien-Blackout ausgerufen, an dem sich »nd« beteiligt. Die Redaktion schließt sich damit über 150 Medienunternehmen aus mehr als 50 Ländern an und »verurteilt die Verbrechen der israelischen Armee an palästinensischen Journalistinnen und Reportern in Gaza, fordert besseren Schutz für die dort arbeitenden Medienschaffenden sowie Notfallevakuierungen und verlangt, dass internationale Berichterstattende unabhängigen Zugang nach Gaza erhalten«.
Die Aktion soll einerseits Solidarität mit den dort getöteten und ermordeten Kolleg*innen ausdrücken, andererseits darauf aufmerksam machen, dass es diese Journalist*innen vor Ort sind, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass die Welt Informationen aus Gaza erhält. Wenn es niemanden mehr gibt, um zu berichten, bleiben Bildschirme schwarz. Keine Nachrichten im Fernsehen, leere Webseiten, unbedrucktes Zeitungspapier.
----------------------------
Lesen Sie zum Thema folgende Schwerpunkttexte zum Aktionstag:
»Wir tragen Kameras und Stifte, keine Waffen«: Der aus Gaza stammende 29-jährige Fotojournalist Alaa Mohsen Qreiqeh über die lebensgefährliche Berichterstattung im Krieg
Berichterstattung über die Besatzung ist unerwünscht: Israel geht im Westjordanland verstärkt gegen palästinensische Journalisten vor
------------------------------
Die israelische Armee nimmt absichtlich und systematisch Medienschaffende in Gaza ins Visier, die über die täglich stattfindenden Kriegsverbrechen, die Aushungerung von Millionen Menschen und die Zerstörung sämtlicher Infrastruktur berichten. Mehr als 210 Kolleg*innen wurden nach Angaben von RSF seit dem 7. Oktober 2023 getötet, mindestens zwölf allein im August – der bislang tödlichste Monat. »Es kann nicht sein, dass diese Verbrechen ungestraft bleiben. Wir sagen es laut und deutlich: Wenn die israelische Armee Medienschaffende in Gaza weiter in diesem Tempo tötet, wird bald niemand mehr da sein, um die Menschen zu informieren«, sagt Anja Osterhaus, Geschäftsführerin von RSF Deutschland.
Die Organisation hat in den vergangenen Monaten bereits vier Strafanzeigen beim Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen der israelischen Armee gegen Journalist*innen eingereicht. Darunter etwa im Fall der Al-Jazeera-Korrespondenten Ismail al-Ghoul und Rami al-Rifi, die 2024 während ihrer Arbeit durch einen Angriff auf ihr Auto getötet und danach von den Verantwortlichen als Terroristen bezeichnet wurden. Eine Rechtfertigungsstrategie, die nach Recherchen des israelischen »+972-Magazins« Aufgabe der »Legitimization Cell« der israelischen Armee ist.
Die RSF-Medienaktion ist auch eine Reaktion auf die jüngsten Angriffe der israelischen Armee auf das al-Nasser-Krankenhaus, bei dem fünf Medienschaffende lokaler und internationaler Medien getötet und ein weiterer Journalist erschossen wurden. Zwei Wochen zuvor wurden bei einem israelischen Angriff sechs Journalisten getötet, darunter der Korrespondent von Al-Jazeera, Anas al-Sharif.
Wir sind käuflich. Aber nur für unsere Leser*innen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser:innen und Autor:innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen aufgreifen
→ marginalisierten Stimmen Raum geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten voranbringen
Mit »Freiwillig zahlen« machen Sie mit. Sie tragen dazu bei, dass diese Zeitung eine Zukunft hat. Damit nd.bleibt.