Carteret: Abschied für immer
17 000 Insulaner müssen umziehen
»Reden, reden, reden, aber keiner handelt«, klagt Ursula Rakova. Mit Blick auf die Klimakonferenz in Kopenhagen fügt sie resigniert hinzu: »Was soll ich da anderes erzählen, als was ich seit drei Jahren erzähle?« Auf Vortragstouren, auf Klimakonferenzen hat die Gründerin der Umweltorganisation »Tulele Peisa« berichtet, dass ihre Heimat, das zu Papua-Neuguinea gehörende Carteret-Atoll, in wenigen Jahren in der Südsee versunken sein wird. Und über die Not ihrer 17 000 Landsleute, die ihre Lebensgrundlage verlieren und als erste Klimaflüchtlinge umziehen müssen.
Carteret ist ein traumhaft schönes Atoll im Pazifik. Bei näherem Hinsehen aber werden langsam die Umweltschäden sichtbar. Umgestürzte Palmen liegen am Strand. Der Meeresspiegel steigt, die See nimmt immer mehr Besitz von Carteret, die Palmen verlieren ihren Halt, fallen um. Vögel werden immer seltener, sie finden kaum noch Futter. Am Schlimmsten ist die Versalzung der Böden. »Wir können hier so gut wie nichts mehr anbauen. Wir verlieren unsere Nahrung«, sagt Rakova.
Auf der Insel gehen die Menschen noch ihrem bäuerlichen Alltag nach. Aber sie wissen, dass sie weg müssen. Über zwei Jahrzehnte versuchten sie, durch Dämme und Wälle das Meer fernzuhalten. Vergeblich. Den Umzug der ersten Flüchtlinge hat »Tulele Peisa« schon organisiert. Auf der Nachbarinsel Bougainville hat die Provinzregierung Land zur Verfügung gestellt. Häuser müssten gebaut, Land urbar gemacht werden. Das wollen die stolzen Melanesier von Carteret selbst machen. Nicht von ungefähr bedeutet »Tulele Peisa«: »Wir meistern die Wellen selbst.«
Aber ganz ohne finanzielle Hilfe geht es nicht. Seit Jahren streiten Politiker auf Konferenzen ergebnislos, wer wie viel für die Folgen des Klimawandels bezahlen soll. Auf Carteret drängt die Zeit, aber für den Umzug steht keine internationale Hilfe zur Verfügung. Und die Regierung von Papua-Neuguinea hält ihre Hilfszusagen nicht ein. Selbst die Webseite von »Tulele Peisa« ist aus Geldmangel abgeschaltet. Und die Vereinen Nationen? »Die nennen uns nicht einmal Umweltflüchtlinge«, sagt Rakova bitter. »Was sind wir bloß in deren Augen?«
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