Asse-Müll wird geborgen

Bundesamt veranschlagt zehn Jahre für Rückholung

  • Von Reimar Paul, Hannover
  • Lesedauer: 3 Min.
Die für die Asse-Schließung zuständige Behörde hat am Freitag das weitere Vorgehen skizziert. Bei Parteien und Verbänden stoßen die Pläne überwiegend auf Zustimmung.

Die radioaktiven Abfälle aus dem maroden Atommülllager Asse sollen geborgen werden. Dies sei derzeit die beste Variante für die Schließung des Bergwerks, sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, gestern in Hannover.

Außer der Rückholung des Atommülls hatte das BfS auch die komplette Verfüllung des Bergwerks sowie die Umlagerung in tiefere Schichten prüfen lassen. Nach einem Optionenvergleich, für den mehrere Institute im vergangenen Jahr umfassende Gutachten angefertigt hatten, sei die vollständige Rückholung der Abfälle anzustreben, sagte König. Dabei könne der verlangte Langzeitsicherheitsnachweis erbracht werden.

»Keine der drei Varianten ist optimal, das wussten wir«, sagte König weiter. Gegen eine Vollverfüllung der Asse spreche, dass die Langzeitsicherheit nicht garantiert werden könne. Experten sehen die Gefahr, dass der radioaktive Müll irgendwann aus den teilweise wohl schon korrodierten Fässern austritt und ins Grundwasser gelangt. Für eine Umlagerung des Mülls dürfte sich kein geeigneter Bereich in der Asse finden lassen. Außerdem dauere diese Stilllegungsoption weitaus am längsten.

Das Bundesamt will nun so schnell wie möglich einen Plan erarbeiten, wie zunächst einige Kammern mit Atommüll geöffnet werden können. Daraus sollen dann Proben entnommen werden. Vom Zustand der Fässer erhofft sich die Behörde Aufschluss über das weitere Vorgehen. Sie schließt nicht aus, dass das Konzept noch einmal gekippt werden könnte – dann nämlich, wenn die eingelagerten Abfälle in einem deutlich schlechteren Zustand als erwartet sind und dies bei der Bergung zu einer unvertretbaren Strahlenbelastung der Beschäftigten führt.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte zuvor in einem Interview gesagt, vor einer Rückholung müssten die Kenntnisse über den Zustand des Mülls vertieft werden. Offenbar will sich der Bund eine Hintertür offen halten.

Die Bergung der Abfälle könnte rund zehn Jahre dauern. Der BfS-Chef hofft, dass ein großer Teil der Arbeiten von automatischen und ferngesteuerten Maschinen geleistet werden kann: »Wir stehen vor einer großen wissenschaftlich-technischen Herausforderung.«

Als künftige Lagerstätte für die Asse-Abfälle kommt nach Stand der Dinge die frühere Eisenerzgrube Konrad bei Salzgitter in Betracht, die vom BfS derzeit zum Endlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll ausgebaut wird. Allerdings gilt die Konrad-Genehmigung nur für höchstens 303 000 Kubikmeter Müll. Das Volumen der Asse-Abfälle wird allein auf bis zu 100 000 Kubikmeter geschätzt. Das Konrad-Verfahren müsste also teilweise neu aufgerollt werden.

Über die möglichen Kosten der Rückholung machte der BfS-Chef keine Angaben. Diese zu ermitteln sei nicht Bestandteil des Optionenvergleichs gewesen. Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte eine Summe von etwa zwei Milliarden Euro genannt. Gestern forderte Gabriel die Bundesregierung auf, die Verursacher des Skandals in der Asse für die Sanierung zur Kasse zu bitten. Studien zufolge stammen rund drei Viertel des Mülls von den Atomkraftwerksbetreibern.

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