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Ein Opernaquarell

Arila Siegert inszenierte in Düsseldorf Jean Philippe Rameaus Oper »Les Paladins«

Heftig begehrt: Argie (Anna Virovlansky)
Heftig begehrt: Argie (Anna Virovlansky)

In Düsseldorf sind die Sachsen zwar nicht unter sich – das zu behaupten, wäre nun doch übertrieben. Aber der vom Leipziger Operndirektor zum Generalintendanten der Deutschen Oper am Rhein avancierte Christoph Meyer hat gerade eine ziemlich verdienstvolle, hoffentlich das Barockrepertoire erweiternde, deutsche Erstaufführung in aus Dresden stammende Hände gelegt. Sowohl die Choreografin und Regisseurin Arila Siegert, als auch der dem Genre der improvisierenden Livemalerei sehr zugetane Maler Helge Leiberg stammen aus der sächsischen Landeshauptstadt.

Leiberg steht bei Jean Philippe Rameaus (1683–1764) »Les Paladines« in der ersten Reihe des Zuschauerraumes der Düsseldorfer Oper am Overhead-Projektor und vervollständigt Frank Philipp Schlößmanns Bühnenbild jeden Abend aufs Neue mit seinen Aquarell-Assoziationen. Mal werden die großen beweglichen Schiebewände im ansonsten fast leeren Bühnenraum fröhlich bunt überblendet, mal in düstere Farben getaucht, mal mit witzigen Figuren die Handlung kommentiert. Unaufdringlich, aber dazugehörig und integriert.

Die am 12. Februar auf den Tag genau 250 Jahre alte und bislang noch nie in Deutschland aufgeführte comédie lyrique des großen französischen Zeitgenossen Händels ist ohnehin eine Melange aus orchestraler Eigenständigkeit, ausschweifender Balletteinlage und arioser Beredsamkeit. Mag sein, dass diese ziemlich moderne Genrevielfalt den französischen Beitrag zum Barockboom der letzten Jahrzehnte (selbst in Frankreich) nicht über Pflichtübungen hinauswachsen ließ. Dabei ist Rameau keineswegs nur eine mehr oder weniger raffiniert opulente französische Variante von Händel (wie manche von dessen deutschen Zeitgenossen), sondern ein Erbe Lullys, der, originär französisch und zugleich mit einigem Reformeifer ausgestattet war. Jean Philippe Rameaus Opern ließen sich heute also mit Gewinn neben den längst wieder etablierten Händel setzten.

Wenn man sie so auf die Bühne bringt wie jetzt in Düsseldorf, dann funktionieren sie auch als lebendige Bühnenereignisse. Hier nämlich kann die Palucca-Schülerin Siegert ihre Profession als Choreografin nicht nur als Zugabe, sondern strukturell einbringen. Und das macht sie höchst überzeugend und zur Freude des Publikums mit einem jungen, beweglichen Sängerensemble und einer Truppe von zehn Tänzern, die Marie-Luise Strandt in ausnehmend schöne Kostüme gesteckt hat. Die Regisseurin führt dabei den stets spürbaren Bewegungsimpuls von Rameaus delikater Musik bis in die Gegenwart. Wenn sie allesamt zu den barocken Tönen tanzen, dann wirkt das nie historisierend oder aufgesetzt modernisiert, sondern kommt durchweg als Bewegung gewordene Musik daher.

So erzählt Siegert mit leichter Hand eine Liebesgeschichte mit Hindernissen inklusive opulenter Zauber-Einlage. Der heftigen Zuneigung zwischen Argie (Anna Virovlansky) und ihrem Atis (Anders J. Dahlin) kommen die Ambitionen von Argies Vormund Anselme (Adrian Sampetrean) in die Quere. So ähnlich wie in Rossinis »Barbier« will er das Mädchen selbst heiraten und so ähnlich wie dort scheitert er damit. Bei Rameau haben die Freunde der jungen Leute allerdings die Zauberfee Monto (Thomas Michael Allen) auf ihrer Seite. Die gaukelt dem Alten ein Schloss vor und verwickelt ihn in eine Orgie. Obwohl die hier allzu brav ausfällt, reicht sie immerhin, um ihn bloßzustellen und als Heiratskandidaten unmöglich zu machen.

Dass das in einen furiosen finalen Jubel mündet, daran hat auch das Barockensemble Neue Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Konrad Junghänel entscheidenden Anteil. Junghänel ist derzeit auch in Berlin zu bewundern: Mit Glucks »Armida« macht er hier Furore.

Nächste Vorstellungen: 11., 14. 2.

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