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»In Weißrussland unvorstellbar«

Interview mit einem Minsker Anti-Atom-Aktivisten

  • Lesedauer: 2 Min.
Der 52-jährige Witali Buinewitsch aus Minsk ist einer von 30 Aktivisten aus der weißrussischen Anti-Atom-Bewegung, die auf Einladung der deutschen Friedensorganisation BSV die Castorproteste beobachteten und bei der Sitzblockade vor dem Zwischenlager mitmachten. Im Interview schildert er seine Eindrücke.
Fokus: Anti-Castor-Proteste: »In Weißrussland unvorstellbar«

ND: Warum sind Sie hier?
Buinewitsch: Ich mache mir Sorgen um die Situation in meinem eigenen Land. Weißrussland leidet bis heute unter den Folgen von Tschernobyl, dennoch soll hier ein erstes Atomkraftwerk gebaut werden. In Deutschland kann ich lernen, wie demokratischer Widerstand organisiert wird.

Und, machen die deutschen Atomkraftgegner ihre Sache gut?
Ich habe noch nichts Besseres gesehen.

Was ist Ihr stärkster Eindruck von den Protesttagen?
Das Verhalten der Polizei. Bei uns stehen sich Polizei und Demonstrant feindlich gegenüber. Hier ist das nicht der Fall. Die Polizei benimmt sich wie ein Teil der Gesellschaft. Was ich bisher gesehen habe, ist in Weißrussland nicht vorstellbar.

War die Reise also umsonst?
Nein, natürlich nicht. Wir müssen danach streben, dass es bei uns auch so wird.

Was nehmen Sie konkret mit?
Das größte Problem bei uns ist schlechte Organisation. Hier sehe ich, wie auf sehr durchdachte Art und Weise Aktionen vorbereitet und durchgeführt werden.

In Deutschland vergessen Organisationen, Parteien und Initiativen für einen Moment ihre Unterschiedlichkeit und verfolgen ein Ziel gemeinsam. Bei uns gibt es solche breiten gesellschaftlichen Bündnisse nicht. Da müssen wir ansetzen.

Würden Sie in Weißrussland morgen zu einer gewaltfreien Sitzblockade gegen den Bau des Atomkraftwerks aufrufen, wie viele Menschen würden sich beteiligen?
Davon sind wir noch weit entfernt. Seit Tschernobyl wird die Diskussion über Atomkraft klein gehalten. Anti-Atom-Gruppen sind marginal. Bis dahin ist also noch viel zu tun – zwischen den politischen Gruppen, in der Bevölkerung und gegenüber den Machthabenden.

Bei Ihnen haben die Menschen keine Angst vor der Polizei. Bei uns ist genau das aber das größte Hindernis, um Protest zu organsieren. Die Menschen fürchten sich vor der Staatsmacht und vor persönlichen Folgen, wenn sie sich an politischen Aktionen beteiligten.

Wie lange machen Sie heute noch mit?
Ich verlasse mich auf die Einschätzung meiner Gastgeber: Wir werden die dritte Aufforderung zum Verlassen der Sitzblockade abwarten und dann zur Seite treten. Wir sehen uns vor allem als Beobachter.

Fragen: Ines Wallrodt

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