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Sachsenburg hofft auf Förderung

Chancen für Gedenkstätte an frühes KZ in Sachsen wachsen / Förderverein kooperiert mit Stadt

  • Von Hendrik Lasch, Frankenberg
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach Jahren der Ungewissheit steigen die Chancen, dass eine Gedenkstätte an das frühe KZ Sachsenburg erinnert. Ein Verein und die Stadt Frankenberg schaffen derzeit die Voraussetzungen für eine Landesförderung.

Wenn Sachsens Landtag nach dem Sommer wieder seine Arbeit aufnimmt, steht auch ein Gesetz zur Verabschiedung an, das einen für den Freistaat peinlichen Streit beenden soll: den um das Gedenken an die Vergangenheit sowie den Umgang mit Orten, die sie verkörpern. Im Jahr 2004 warfen NS-Opferverbände dem Freistaat vor, DDR und Nazizeit auf eine Stufe zu stellen, und beendeten die Mitarbeit in der Gedenkstättenstiftung. Mit dem neuen Gesetz könnte der Zwist endlich beigelegt werden.

Im Interesse einer ausgewogeneren Erinnerungspolitik wird dabei neuen Gedenkstätten eine Förderung durch die Stiftung in Aussicht gestellt. Dazu gehört ein Erinnerungsort für das frühe KZ Sachsenburg. Dort hatten die Nazis direkt nach dem Machtantritt begonnen, politische Gegner und Missliebige in einer Spinnerei einzusperren und zu misshandeln. Der Ort gilt als Vorläufer für Sachsenhausen und Buchenwald; viele Methoden wurden hier erprobt.

Stadt will Haus kaufen

Eine Gruppe Aktivisten versuchte seit Jahren, das KZ im Gedächtnis zu halten: Führungen wurden organisiert, Workshops für Jugendliche veranstaltet. Bezahlt werden mussten die Aktionen aus Spenden. In der Spinnerei, die sich in Privatbesitz befindet, erinnert außer einem Zellenbau kaum noch etwas an das frühe KZ.

Dieses Gebäude könnte jetzt von der Stadt Frankenberg gekauft werden, zu der Sachsenburg gehört. Ein entsprechende Absprache sei im Technischen Ausschuss getroffen worden, erfuhr »nd« von Beteiligten. Im Hauptausschuss beschlossen wurde bisher laut Notiz im Amtsblatt nur der Erwerb von Flurstücken. Auf Anfrage des LINKS-Abgeordneten Volker Külow an die Regierung schrieb Bürgermeister Thomas Firmenich, die Stadt »beabsichtigt, das Zellenhaus (…) zu erwerben«. Die Regierung reichte die Antwort aber nicht weiter und erklärte, zu kommunalen Angelegenheiten sei sie nicht auskunftspflichtig. Das Land wolle jedenfalls nicht kaufen.

Külow sieht die Gedenkstätte daher vor einer ungewissen Zukunft. Das gilt wohl auch, wenn die Stadt das Gebäude erwirbt: Es ist in einem marodem Zustand; nach dem Kauf sind weitere Investitionen notwendig, bis eine Gedenkstätte eröffnet werden kann. Ob die Stadt dabei auf Hilfen vom Freistaat hofft, blieb zunächst offen. Die Verwaltung teilte mit, Firmenich sei für Nachfragen erst Mitte September wieder zu erreichen.

Ex-Häftling arbeitet mit

Immerhin ist inzwischen auch ein Träger für die Gedenkstätte absehbar. Seit Januar ist ein Förderverein eingetragen, der 30 Mitglieder hat. Darunter ist der 97-jährige Karl Stenzel als letzter lebender Häftling. Viele Mitglieder kommen aus der NS-Opferorganisation VVN-BdA. Deren Chemnitzer Chef Enrico Hilbert leitet auch den Förderverein.

Allerdings hat die VVN-BdA in Sachsen keinen leichten Stand; sie gilt vielen Offiziellen als zu weit links. In Frankenbergs Stadtverwaltung wie bei der Gedenkstättenstiftung wird auffällig betont, es bedürfe eines »seriösen, zivilgesellschaftlich breit aufgestellten, pluralistischen Trägervereins«. Derlei Vorbehalte könnten ausgeräumt werden, nachdem der Förderverein beschloss, ein Angebot der Stadt zur Kooperation mit dem »Gemeinschaftswerk Frankenberg e.V.« anzunehmen. Das betreibt bisher etwa Jugendeinrichtungen. Zwar kann der Verein nur bedingt als pluralistisch gelten: So ist der Bürgermeister bisher als Chef gesetzt. Eine Satzungsänderung ist aber in Aussicht gestellt.

Enrico Hilbert ist angesichts der Entwicklung vorsichtig zuversichtlich. Ideen für eine Gedenkstätte habe man in der langjährigen Arbeit ausreichend gesammelt. Jetzt müssen sie in eine Konzeption gegossen werden - und zwar schnell: Fördergelder für 2013 müssten bis Ende September beantragt werden. Wie viel Geld fließen könnte, ist freilich unklar. Der Landtag will zwar die Förderung neuer Gedenkstätten durch die Stiftung beschließen. Ob diese aber dafür auch mehr Geld erhält, ist bislang völlig offen.

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