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  • Kultur
  • 2. Opernregie-Meisterkurs mit Ruth Berghaus in Cottbus

Liebesklage im „Trabant

Es scheint das Schicksal des Brandenburgischen Colloquiums Neue Musik unter Leitung von Prof. Paul-Heinz Dittrich zu sein, in seinem Gründungsort Zeuthen durch Raumprobleme nur noch selten zum Zuge zu kommen. Der nächste Komponisten-Meisterkurs wird in der Musikakademie Rheinsberg sein Domizil finden. Und konnte der 1. Internationale Meisterkurs für Opernregie unter der Gesamtleitung von Prof. Ruth Berghaus im vorigen Jahr noch in Berlin in der Akademie der Künste veranstaltet werden, mußte er diesmal wegen dortiger Asbestsanierung umziehen. Aber das dürfte ein Vorteil gewesen sein. Bot doch Christoph Schroth, der Intendant des Staatstheaters Cottbus, seiner Akademie-Kollegin Berghaus als Arbeitsstätte „sein“ Haus der Bauarbeiter und überdies den Ballettsaal im Großen Haus sowie weitere Räume an. Und das waren Idealbedingungen. Prof. Hans-Jochen Irmer, der dramaturgische Betreuer der 60 jungen Teilnehmer aus 13 Ländern, war jedenfalls als Sprecher der Kursanten bei der öffentlichen Abschlußveranstaltung des Lobes voll.

Ein weiterer Vorteil von Cottbus: Hier ist Martin Schüler, ein einstiger Meisterschüler von Ruth Berghaus, seit eini-

gen Jahren der Operndirektor, der zugleich in der Opernregie-Abteilung der diesmal mitveranstaltenden Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ unterrichtet: dort hatte er studiert. Er übernahm einen wesentlichen Teil der szenischen Betreuung, Musikdirektor Winfried Müller (Komische Oper / Eisler-Hochschule) die klangliche Einstudierung, stimmbildnerisch betreut

durch die Kammersänger Celestina Casapietra (Staatsoper Berlin) und Prof. Heinz Reeh, Leiter der Gesangsabteilung der Eisler-Hochschule.

Erarbeitet wurden, zum Teil parallel, Szenen aus Opern dreier Jahrhunderte, in denen es unter Unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen um bräutliche Situationen geht: das Singspiel „Bastien und Bastienne“ des zwölfjährigen Mozart, Webers „Freischütz“ und „Leonce und Lena“ nach Büchner als 1979 in der Deutschen Staatsoper Berlin uraufgeführte letzte Oper Paul Dessaus. Auch in Zeuthen selbst hatte es gute Vorbereitungen auf die 14 Cottbuser Tage gegeben. Die Schule, die nach Paul Dessau heißt, der dort einst Musik unterrichtete, ist jetzt Humanistisches Gymnasium mit leistungsstarkem Kinderchor unter Leitung von Sigrid Schella. Acht Mitglieder erwiesen sich als gesanglich

wie darstellerisch kompetent für eine Szene, in der sie junge Liebespaare spielten im Kontrast zur auf Zeit verlassenen Bastienne. Und die wurde nacheinander, in zwei verschiedenen Inszenierungen (Ruth Brändli, Frank-Martin Widmaier), von den Ghormitgliedern Steffi Pansegrau und Bettina Schella blitzsauber gesungen. Auch die szenische Umsetzung hatte hier besonderen Pfiff: zunächst eine Schul-Szenerie mit chemischer Formel an der Tafel, dann Spiel in einem halbierten „Trabant“, dessen Hupe auch betätigt wurde.

Alles in allem wurden zwölf Szenen von neun Regisseuren beim reich applaudierten Finale gezeigt: mit mancher originellen „Freischütz“-Sicht auch mit Dialog-Effekten und gestisch deutlichen Lösungen, etwas verschwommenen Ausschnitten aus „Leonce und Lena“, deren Ouvertüre man zunächst von der Platte hatte hören können. Denn hier konnte nur mit dem Klavier begleitet werden. Im nächsten Jahr soll es möglichst schon ein Orchester sein, das des MDR, und eine ganze Oper: Udo Zimmermanns „Wundersame Schusterfrau“ in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Mozarteum und mit Unterstützung der Leipziger Oper.

LUCIE WALTER

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