Greve-Sohn verwaltet Schimmel und Leerstand

Sohn des Hamburger Mäzens sitzt auf Gammel-Wohnungen

  • Von Reinhard Schwarz
  • Lesedauer: 3 Min.
Milliardärssohn Wolfgang Peter Greve lässt Wohnungen leerstehen. Am Samstag demonstrierten Anwohner und Linkspartei gegen den »Miethai« und für Wohnraumschutz.

Eine Nebenstraße im Hamburger Stadtteil Eidelstedt sorgt seit einigen Wochen für politisches Aufsehen. Der Grund: Im Furtweg stehen teilweise schon seit Jahren zahlreiche kleine Wohnungen leer. Nach Zählung des Mieters Jean Kazanciyan seien es bereits 28 Wohnungen mit einer Größe von 35 bis 50 Quadratmetern. Das Bezirksamt Eimsbüttel kommt auf 19 von insgesamt 96 günstigen Wohnungen, die nicht genutzt werden.

Politisch brisant daran ist die Tatsache, dass die Wohnanlage der EVG Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft für Geschäfts- und Freizeitzentren gehört. Deren Geschäftsführer ist Wolfgang Peter Greve, Sohn des Hamburger Immobilienunternehmers und Ehrenbürgers Helmut Greve. Der Milliardär, der seit Kriegsende ein Imperium aus Bürohäusern und Einkaufszentren errichtet hat, ist gemeinsam mit seiner Frau Hannelore seit 2005 Ehrenbürger der Stadt Hamburg. Greve spendierte der stets klammen Hansestadt unter anderem zwei neue Flügelbauten für das Hauptgebäude der Universität Hamburg und beteiligte sich mit 30 Millionen Euro an der Elbphilharmonie.

»Vor zweieinhalb Jahren waren schon vier Wohnungen nicht mehr belegt, seitdem geht es immer so weiter«, sagt Kazanciyan. Die Häuser im Furtweg befinden sich in einem schlechten Zustand. Von außen zeigen sich Risse im Mauerwerk. Sein Schlafzimmer verfüge über keine Heizung, sagt der 78-Jährige. Den Schimmel dort bekämpfe er mit Mitteln aus dem Baumarkt. Einige der Mieter wohnten noch bis vor einigen Jahren in einer nahe gelegenen anderen Greve-Wohnanlage, die abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurde. Die Mieter befürchten, dass die Firma nun hier ebenfalls abreißen wolle. Die reagiert nicht auf Anfragen.

Am Samstag zog eine Demonstration mit rund 50 Teilnehmern durch den Stadtteil. Die Teilnehmer trugen Schilder mit Aufschriften wie »Instandbesetzen statt kaputtbesitzen« und »Leerstand zu Wohnraum« oder »Wohnen muss bezahlbar sein.« Andere forderten die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für Greve senior.

Das Bezirksamt habe den Eigentümer auf Grund des Gesetzes zum Wohnraumschutz aufgefordert, sich zu äußern, sagte eine Sprecherin. Dessen Stellungnahme sei jedoch unzureichend und wurde daher am 22. Mai 2013 aufgefordert, seine Stellungnahme zu ergänzen. Das Gesetz ermächtigt die Hamburger Bezirksämter »durch Handlungsgebote bestimmungswidrig genutzten Wohnraum zu räumen, Wohnraum wieder herzurichten und wieder Wohnzwecken zuzuführen«, heißt es in einem offiziellen »Erläuterungsrundschreiben«. Es drohen Bußgelder bis zu 50 000 Euro. Schwerer aber wiegt wohl der Imageschaden für das Unternehmen Greve.

Rund 1200 Wohnungen stehen einer Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion zufolge leer. Die Dunkelziffer wird wohl weit höher liegen. So fordert selbst die CDU eine Verschärfung des Wohnraumschutzgesetzes. Die SPD will noch einen Schritt weitergehen und Leerstand zwangsvermieten. Denn bislang können Eigentümer ihre zum Abriss vorgesehenen Häuser jahrelang ungenutzt lassen. Mittlerweile scheint sich hinter den Kulissen im Fall Greve etwas zu bewegen. Nach bisher unbestätigten Informationen will die Firma die vor sich hin gammelnden Wohnungen nun doch renovieren lassen. Das städtische Unternehmen Fördern & Wohnen will diese für Flüchtlinge aus Syrien anmieten.

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