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Vorzeigeobjekt

»Città Futura« Riace weckt internationales Interesse

Der 1. Juli 1998 ist ein Wendepunkt in der Geschichte von Riace. 200 kurdische Flüchtlinge strandeten an diesem Tag mit ihrem Boot an der Küste Kalabriens unweit des Dorfes. Statt mit anzusehen, wie sie in eines der Auffanglager verfrachtet wurden, bot Bürgermeister Domenico Lucano ihnen Häuser in seinem Dorf an, die aufgrund des Bevölkerungsschwunds leer standen. Denn von einst 3000 Einwohnern waren nur noch etwa 800 in Riace ansässig.

Mehrere hundert Migranten leben heute in der Gemeinde. Das Dorf liegt inmitten einer der strukturschwächsten Regionen des Landes. Die Zuwanderer haben so auch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Werkstätten, Bäckereien und Friseurläden laufen wieder. Auch Handwerkskünste wie Töpfern und Schneidern sind neubelebt. Selbst eine Schule gibt es wieder. Die Kinder lernen hier als erste Sprache Italienisch.

Domenico Lucano ist durch seinen Umgang mit Flüchtlingen international bekannt geworden. 2010 wurde er sogar mit dem »World Mayor Award« für sein besonderes Engagement geehrt. Seit 15 Jahren arbeitet der Verein »Città Futura« (Zukunftsstadt), mit dem die Integration von Flüchtlingen in Riace begann.

Dem Beispiel sind weitere Kommunen in Italien gefolgt. Doch in ihrem Umfang sind die Programme in Riace noch immer ein Pilotprojekt. Auch, weil nach wie vor der politische Wille zur Aufnahme und menschenwürdigen Versorgung von Flüchtlingen sowie Migranten in Italien, aber auch in vielen anderen Teilen Europas fehlt.

Für Riace interessieren sich allerdings inzwischen auch internationale Organisationen. Der Berliner Verein »Courage gegen Fremdenhass e.V.« etwa erarbeitet gerade im Rahmen seiner Reihe »Topographien der Menschlichkeit« eine Wanderausstellung und ein Katalogbuch für das deutschsprachige und das italienische Publikum. »Es geht um eine Bestandsaufnahme von Erfolgsmethoden in besonderen Situationen in der Geschichte Europas. Wir wollen Best-Practice-Beispiele aufzeigen, die Anwendung finden, wenn es am schwierigsten und am nötigsten ist, menschlich zu handeln«, erklärt Anna Tüne gegenüber »nd« die Idee. Riace wird demnach das dritte Projekt der »Topographien der Menschlichkeit« sein. Die erste Arbeit befasst sich mit dem »Rettungswiderstand in Dieulefit/Frankreich«. Anfang 2015 soll das Teilprojekt zum Rettungswiderstand in Bulgarien während des Zweiten Weltkrieges veröffentlicht werden. Darauf folgt Riace. kah

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