Der beste Feind des Menschen

»Kot und Köter«: Am Freitag erscheint das erste Magazin für Hundehasser

  • Marlene Göring, Berlin
  • Lesedauer: 3 Min.
Einst tourte er durch Talkshows, jetzt ist Wulf Beleites der Herausgeber der ersten »Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind«. Er selbst nimmt sein Magazin aber nicht so ernst wie einige Leser.

Sie fressen wirklich alles, sind laut und ganz ehrlich - sie stinken. Für manche sind Hunde vielleicht knuddeliger Familienersatz, für andere aber der blanke Horror. Die letzte Gruppe bekommt am Freitag ihr eigenes Magazin: »Kot und Köter - die Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind«.

»Der Hund gehört nicht unter, sondern auf den Tisch«, sagt Wulf Beleites. »Das ist ein altes chinesisches Sprichwort. Das ich selbst erfunden habe.« Beleites ist der Mann hinter dem Magazin. Der Journalist und Satiriker hat es geschafft, auf krautreporter.de innerhalb von nur vier Wochen 7000 Euro zu sammeln - genug für die erste Ausgabe. Was als Selbstversuch im Crowdfunding begann, endete mit dem Posten als Chefredakteur und Herausgeber. 850 Abonnenten hat Beleites schon, 5000 sollen es werden. »Wenn ich das schaffe, kommt die Zeitschrift viermal im Jahr raus«, sagt der 66-Jährige.

Dafür stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Medien berichten reihenweise über »Kot und Köter«, jeden Tag kommen neue Leser dazu. Die finden im Heft Hundefleischrezepte, Aussetztipps für die Ferienzeit oder Texte über Nuttenpudel und darüber, warum Gefahr von Gefährte kommt. Ein Artikel liegt Beleites, der auch Vorstand der Deutschen Journalisten-Union von ver.di ist und in einem Hamburger Bezirk für DIE LINKE antritt, besonders am Herzen. Ein Insider habe ihm die geheimen Tagebücher von Georg Kreisler überlassen. Der brisante Inhalt: Das Lied »Taubenvergiften im Park« habe in der Originalfassung »Hundevergiften im Park« geheißen. »Da ist uns ein journalistischer Coup gelungen«, sagt Beleites. »Man wird die Musikgeschichte neu schreiben müssen.«

Beleites Karriere als Hundehasser begann schon 1992 - am Kneipentisch mit ein paar Journalistenkollegen. »Wir wollten die überflüssigste und überfälligste Schlagzeile finden«, erzählt er. »Weil noch Platz war« hob ein Freund das Ergebnis - »Kot und Köter« - in den »Titelschutz Anzeiger«, in dem neue Zeitungstitel gemeldet werden. Aus dem Spaß wurde noch mehr Spaß, als es plötzlich Talkshow-Einladungen für den vermeintlichen Chefredakteur der gar nicht existierenden Zeitschrift regnete. Arabella, Sonja, Schreinemakers - Beleites war bei allen, insgesamt 16 Mal und mittendrin in der großen Talk-Welle der 1990er. Und bei allen spielte er den Bösen, den Hundehasser, den Unmenschen. »Wenn ich morgens im Hotel zu den anderen Talk-Gästen in den Frühstücksraum kam, schlug mir jedes Mal eisiges Schweigen entgegen«, erinnert sich Beleites lachend.

1999 gab er die Scharade auf und ließ »Kot und Köter« als Fake erkennen. »Ich hatte die Faxen dicke«, erzählt der Journalist. Er wollte nicht länger den bösen Buben spielen. Seine Erfahrungen als hundehassender Talkshow-Gast benutzte er dafür, die Banalität der Sendungen zu zeigen. Zum Beispiel in seinem Roman »Talk täglich«: »Die hatten keine Redaktionen, sondern Rollenbesetzungsbüros« erklärt Beleites, wie in sechs Jahren keinem Moderator auffallen konnte, dass die Geschichte erlogen war und es das Magazin nie gegeben hatte.

Jetzt aber ist es Wirklichkeit geworden. Dass ihm irgendwann die Hundegeschichten ausgehen, fürchtet Beleites nicht. »Die Themen liegen doch wie Kot auf der Straße«, sagt er. Dabei hasst der Hamburger Hunde gar nicht. »Ich mag sie nur nicht. Besonders wenn sie bellen oder Haufen machen.«

Für einige Menschen scheint das schon mehr als genug zu sein. Bei der Vorstellung von »Kot und Köter« hat sich Besuch angemeldet: Vor ein paar Tagen wurde Beleites anonym gewarnt, dass Rockergruppen die Veranstaltung attackieren könnten. Und er hat einen Drohbrief bekommen, vom Besitzer eines Bikerbekleidungsladens in Süddeutschland. »Bald trinkst du aus der Schnabeltasse« steht dort unter anderem drin. »Ich nehme das viertelernst«, sagt Beleites. Zum ersten Mal in seinem Leben habe er die Polizei um Hilfe gebeten. Eingeschüchtert klingt Beleites aber nicht. »Ich mache so lang weiter, wie der Schwanz wedelt.«

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