Wieder Streiks bei Amazon

Beschäftigte in Leipzig und Bad Hersfeld kämpfen weiter für Einzelhandels-Tarifvertrag / Ver.di: Konzern fehlt der Respekt vor den Leistungen der Kollegen

Berlin. Beschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon sind am Donnerstagmorgen in Leipzig und im hessischen Bad Hersfeld erneut in den Streik getreten. Mit der Frühschicht begann die ganztägige Aktion, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Ver.di fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen lehnt dies ab und will weiter eine Bezahlung nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Thomas Schneider, rechnete damit, dass sich allein in Leipzig 400 bis 500 Mitarbeiter aus der Früh- und Spätschicht an dem Ausstand beteiligten. »Amazon verweigert nach wie vor jegliches Gespräch über einen Tarifvertrag – das zeugt von fehlendem Respekt vor der hervorragenden Leistung, die die Amazon-Beschäftigten Tag für Tag erbringen«, sagte der ver.di-Verhandlungsführer für Leipzig, Jörg Lauenroth-Mago.

Die Auseinandersetzung läuft bereits seit Monaten. Die Gewerkschaft hatte im April 2013 mit Streikmaßnahmen an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld begonnen, um für die Beschäftigten des nach eigenen Angaben weltgrößten Versandhandelsunternehmens Amazon eine tarifvertragliche Absicherung zu erreichen. Die Geschäftsführung von Amazon Deutschland verweigert nach Angaben von ver.di Verhandlungen über einen Tarifvertrag kategorisch und hatte zuletzt vor etwa einem Monat ein Gesprächsangebot zur Tarifsituation abgelehnt. Bereits Ende März hatte Verdi in Leipzig zum Ausstand aufgerufen und auch das Weihnachtsgeschäft bei beiden Amazon-Standorten bestreikt.

»Die Zeit des Fastens ist vorbei, und die Beschäftigten bei Amazon erwarten zu Recht den verbindlichen tarifvertraglichen Schutz ihrer Löhne und Arbeitsbedingungen. Das ist keine Forderung, die von außen an das Unternehmen herangetragen wird, sondern die klare Erwartung einer großen Zahl von Beschäftigten und der ver.di-Mitglieder bei Amazon«, betonte die ver.di-Streikleiterin in Bad Hersfeld, Mechthild Middeke. Agenturen/nd

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