Heavy Metal kann so schön sein

150 Metal-Platten für die »eiserne Insel«

  • Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.

Gewiss, die Scorpions sind eine der schlimmsten Bands des Landes. Und doch behauptet Holger Adam, dass man mit ihrer über 50-jährigen Historie »eine kleine Kulturgeschichte des Rock ’n’ Roll in Deutschland« erzählen könnte. Dazu müsste man allerdings die »obligatorische, post-adoleszente ›Um Gottes Willen, die Scorpions!‹-Phase« überwunden haben, schreibt er im Sammelband »Hear ’Em All. Heavy Metal für die eiserne Insel«, in dem 150 wichtige Metal-Alben von 1968 bis heute durchgearbeitet werden.

Adam kümmert sich um »Blackout« von den Scorpions aus dem Jahr 1982 (Foto). Das Cover, ein Selbstbildnis von Gottfried Helnwein, hielt er damals für den »Knaller« und glaubte, es zeige den Bandgründer Rudolf Schenker. So erzählte man es sich im Fußballverein. Selbstverständlich wäre eine »kleine Kulturgeschichte« ein Kompendium der Missverständnisse - mit allen darin eingeschlossenen magischen Momenten. In »Hear ’Em All« werden in erster Linie die schönsten Hymnen gesungen. Da verspricht »Necroticism« von Carcass »viele Nachmittage des Denksports«, »Altars Of Madness« von Morbid Angel eine »spürbare Besessenheit, die dich anspringt«, und zu »Raw Power« von Iggy and The Stooges heißt es: »Die Lehre der Stooges ist allmächtig, weil sie wahr ist.«

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Martin Willems erinnert sich bei Metallica, »wie ich einmal den elterlichen Wintergarten zerlegte - ›Kill ’Em All‹, entliehen in der Dorfbücherei, hatte mir keine Wahl gelassen«. Matthias Penzel blickt in sein »einziges« Tagebuch. Da steht: »24.2.1981 Judas Priest«, und »es folgen drei Seiten, alle weiß«. Denn diese Band erschien ihm »göttlich«. Logisch: »Mit Musik geht halt alles besser, mit den richtigen Drogen erst recht«, wie Jenny Zylka über »Rated R« von den Queens of the Stone Age bemerkt. cm

Frank Schäfer (Hg.): Hear ’Em All. Heavy Metal für die eiserne Insel. Ventil Verlag, 304 S.,br., 20 €. Foto: EMI

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