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Kreuzberg entspannt sich ohne Revolution

Die linksradikale Demonstration zieht am 1. Mai nach Friedrichshain, der »MaiGörli« fällt aus

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit dem Polizeieinsatz in Kreuzberg am Ende der »Mietenwahnsinn«-Demonstration am vergangenen Samstag ist der anstehende 1. Mai für manche wieder so in den Sichtkreis gerückt, wie man es kennt: Rund um die Frage zu erwartender Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant*innen und Polizist*innen im Zuge der »Revolutionären 1. Mai-Demo«.

Die »Berliner Morgenpost« berichtete, die Polizei gehe nach dem Vorfall im Wrangelkiez von einem »gestiegenen Bedrohungspotenzial aus«. Polizeisprecher Thilo Calbitz kann das allerdings nicht bestätigen. Sicher aber werde die Räumung des einstigen Gemüseladens Bizim Bakkal in der Wrangelstraße im Hinblick auf den 1. Mai noch einmal zur Sprache kommen.

Die traditionelle autonome Demonstration findet in diesem Jahr zum 32. Mal statt. Allerdings - »jenseits des betäubenden Konsums in Kreuzberg 36«, wie es im Aufruf heißt - zum ersten Mal in Friedrichshain. Beginnen soll sie um 18 Uhr auf dem Wismarplatz. Eine Anmeldung, so Calbitz, gebe es bislang nur für einen »kleineren Aufzug«, der unter dem Motto »Unser Kiez - nicht ihr Profit«, mit einer erwarteten Zahl von 200 Teilnehmer*innen um 16 Uhr vom Schlesischen Tor zum Wismarplatz führen soll. »Vom Rest müssen wir uns - leider - überraschen lassen«, sagt der Polizeisprecher.

Die Gründe für den Kiezwechsel, so heißt es im Aufruf, unterschrieben von »Autonome Gruppen«, weiter, seien »logisch«. In Friedrichshain würden die Abwehrkämpfe gegen Verdrängung besonders heftig geführt. Hier seien in den letzten Jahren »die Feindschaften mit dem Staat handgreiflich« geworden. Man wolle ebenfalls »Bezug nehmen auf die Kämpfe der Mieter*innen der Karl-Marx-Allee und der bedrohten Projekte im Nordkiez«. Mietenkämpfe sind ebenfalls Thema des »klassenkämpferischen Blocks«, der zur Beteiligung an der DGB-Demonstration um 9.30 Uhr am Hackeschen Markt aufruft. Auch die Demonstration, die am Abend des 30. April um 17 Uhr am Weddinger Leopoldplatz beginnt, hat das Motto »Unsere Häuser - Unser Kiez - gegen die Stadt der Reichen«.

»Das Mietenthema bewegt eben alle«, sagt Thilo Calbitz, »auch die Berliner Polizei«.

Unterdessen gab das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bekannt, dass es in diesem Jahr im Rahmen vom »Myfest« keine Party im Görlitzer Park geben werde. 5000 Haushalte wurden mit einem Fragebogen angeschrieben, um die Anwohner*innen zu ihrer Meinung zu befragen. Diese hätten sich gegen eine Fortsetzung des »MaiGörli« ausgesprochen. Um die Grünanlage und die Anwohner*innen vor den Auswirkungen ungenehmigter Partys zu schützen, sind Glasflaschen, Getränkedosen, Grills oder Musikanlagen verboten. Das Motto für den 1. Mai laute hier nun daher: »Ein ganz normaler Tag im Park.«

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