Ohne Mensa ins Minus

Studierendenwerk Berlin macht bis zu zwei Millionen Euro Verlust im Monat

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Die fast 200 000 Studierenden der Hauptstadt müssen sich darauf einstellen, dass ihre Hochschulen auch im Wintersemester 2020/21 nur einen eingeschränkten Präsenzbetrieb anbieten werden. »Es wird einen Mix geben«, sagte am Montag Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses. Zwar möchte man insbesondere Studienanfänger*innen die Möglichkeit geben, »mehr vor Ort« sein zu können. Ansonsten bleibt es aber wohl im Wesentlichen bei der Digitallehre. Klar sei auch, dass sich daran im laufenden Semester nichts mehr ändern wird. Das sei, so Krach, der »Wunsch aller Hochschulen«.

Nun bringt dieser Wunsch zugleich das Studierendenwerk Berlin in Bedrängnis. Denn darum ging es auf Antrag von Rot-Rot-Grün eigentlich in der Ausschusssitzung: die »Herausforderungen für das Berliner Studierendenwerk während der Covid-19-Pandemie«.

Wie die Geschäftsführerin des Studierendenwerks, Petra Mai-Hartung, dem Ausschuss vorrechnete, verliert ihr Haus derzeit aufgrund der Coronakrise »im Schnitt im Monat eineinhalb bis zwei Millionen Euro«. Insgesamt würde sich das Umsatzdefizit so am Jahresende auf bis zu zwölf Millionen Euro summieren. Durch Einsparungen könnte es auf fünf Millionen gesenkt werden, so die Hoffnung. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Studierendenwerk Umsatzerlöse in Höhe von rund 57 Millionen Euro.

Problematisch sei die Lage in erster Linie mit Blick auf die über 50 Hochschulmensen. Zwar hätten seit diesem Montag einige von ihnen wieder »zur Zwischenverpflegung« geöffnet. Eine flächendeckende Öffnung mache aber keinen Sinn. Man wolle ja gerade verhindern, »dass sich Studierende auf dem Campus ballen«. Aber ohne Gäste können die Mensen auch nicht kostendeckend arbeiten.

Ein zweites großes Thema waren für Mai-Hartung die »Herausforderungen im Personalbereich« - und das meint hier: den hohen Altersdurchschnitt. Zahlreiche Mitarbeiter*innen gehören einer Covid-19-Risikogruppe an und arbeiten daher weiter von zu Hause aus. »Ganz akut ist es im Bereich der Bafög-Beantragung.« Teilweise gebe es Postrückstände von zwei Wochen. Vor allem für die Bafög-Anträge sprach die Studierendenwerk-Chefin von dringendem »Nachholbedarf«. »Da hangeln wir uns gerade durch. Das muss dringend digitalisiert werden.« Da es aber die E-Akte noch nicht gebe, nähme die Beschwerden derzeit »extrem« zu. Verständlich, schließlich sind die finanziellen Sorgen vieler Studierender »erheblich gestiegen«, so Mai-Hartung.

Kein Job, kein Geld, keine Perspektive: Im Anschluss an Mai-Hartung machte auch Enrico Schnick, Sozialreferent des AStA der Technischen Universität, auf die prekäre Situation vieler Studierender aufmerksam. In diesem Zusammenhang sparte Schnick vor dem Ausschuss nicht mit Kritik an den »unsinnigen Regeln«, die Studierende erfüllen müssen, um Hilfsgelder zu erhalten. Die Bemessungsgrenze für eine Förderung aus dem Nothilfefonds etwa liegt bei 500 Euro. Wer mehr als diesen Betrag auf dem Konto hat, dessen Antrag wird abgelehnt. 500 Euro, das sei im Grunde nichts, so Schnick.

Mai-Hartung verteidigte die pauschale Kontostandsregel damit, dass das Studierendenwerk die Regeln angesichts der »Antragsflut« möglichst »einfach« gestalten wollte. »Wir müssen immer gucken, wer ist der Ärmste der Armen.«

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