Projektion eines Problems

Jana Frielinghaus zur Empörung über migrantischen Antisemitismus

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 1 Min.
Migrantischer Antisemitismus: Projektion eines Problems

Judenwitze in Polizistenchats, die Tatsache, dass neun von zehn antisemitischen Straftaten von Neonazis begangen werden - all das gerät derzeit angesichts wütender Proteste von Palästinensern und arabischstämmigen Menschen in Deutschland völlig aus dem Blick. Vielen Politikern insbesondere aus den Unionsparteien, aber auch der rechten AfD, ist das sehr recht. Mancher fordert nun gar, Personen wegen antisemitischer Äußerungen abzuschieben. Das ist die blanke Instrumentalisierung zu verurteilender Vorfälle für die eigene rassistische Agenda.

Hass auf Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum, Drohungen gegen sie oder Schändung jüdischer Symbole sind mit nichts zu entschuldigen. Doch es ist ein Unterschied, ob Menschen, deren Angehörige derzeit akut vom Tod durch israelische Bomben bedroht sind, unangemessene Vergleiche auf Plakate schreiben, oder ob Deutsche sich auf Demonstrationen als Verfolgte ähnlich den Juden in der Nazizeit inszenieren.

Wer in der Bundesrepublik lebt, muss solidarisch sein mit jüdischen Menschen. Dagegen wirkt es eher wie ein Brandbeschleuniger, wenn Politiker ihre bedingungslose Solidarität mit dem Staat Israel erklären, statt mit allen durch Krieg und Gewalt bedrohten Menschen im Nahostkonflikt.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung