Wo bleibt die Lebensmittelampel?

DR. SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Wo bleibt die Lebensmittelampel?

Es wird viel geredet über gesundes Essen. Nun soll es der »Nutri-Score« richten, die Ampel für gesunde Nahrung. Wie das?

Im Prinzip ist es eine errechnete Qualitätsskala für Ernährung. Wenn das eine Ampel sein soll, dann hat sie fünf Phasen: Von grün für sehr gut bis rot für gar nicht gut. So ähnlich wie der Energieverbrauch auf Waschmaschinen angegeben wird.

Und was wird da errechnet?

Es geht um die Sachen, die uns in großen Mengen nicht so gut tun: Zucker, Fett und Salz. Dazu der reine, wie man so schön sagt, Brennwert, also die Kalorien. Da fallen dann natürlich auch die in unserer Ernährung wichtigen Kohlenhydrate mit rein. Und diese Skala soll auf abgepackte Lebensmittel aufgedruckt werden. Auf freiwilliger Basis.

Also wird das nichts, oder?

So schlecht sieht es gar nicht mal aus. Denn immer mehr Leute denken zumindest darüber nach, dass sie sich gesünder ernähren wollen oder müssten. Wir haben ja schon seit langer Zeit auf den Lebensmitteln allerlei Angaben zu den Nährwerten drauf. Aber so klein, dass man oft eine Lupe braucht. Vorbild für den Nutri-Score ist Frankreich, da wurde er 2017 eingeführt - und von den Supermärkten durchgesetzt. Aber da gibt es Fallstricke: Eine Cola Light zum Beispiel kann auf dieser Ampel besser wegkommen als ein Bioapfelsaft.

Wirklich?

Der Bioapfelsaft enthält natürlicherweise viel Zucker, Fruchtzucker, die Cola Süßstoff.

Mehr als die Hälfte der Deutschen hat Übergewicht.

Weil sie sich zu wenig bewegen. Das Homeoffice verstärkt das oft.

Vielleicht essen sie schon morgens zu viel? In Frankreich gibt es zum Frühstück nur ein Croissant und einen Kaffee.

Und womöglich noch eine Zigarette? Ein Croissant besteht aus Blätterteig, also aus Fett und Mehl - klar roter Bereich.

In Deutschland gibt es übrigens schon eine Lebensmittelampel: bei Fleischprodukten.

Die bezieht sich nur auf die Haltungsform der Tiere und ist auch freiwillig.

Wenn wir beide nun in einem FDP-Ortsverband wären, dann müssten wir uns das doch verbeten, als Entmündigung des Konsumenten?

Warum? Die FDP kann eigentlich nichts dagegen haben. Die fordert ja nur, dass alle Leute frei entscheiden können. In Frankreich hat der Nutri-Score durchaus das Kaufverhalten beeinflusst, das wurde untersucht. Man kann das auch noch durch weitere Maßnahmen steigern. Zum Beispiel durch eine Zuckersteuer oder durch steuerliche Abschläge auf besonders gesunde Lebensmittel. Aber das wäre dann mit der FDP wohl nicht zu machen.

Keine Lebensmittelampelpflicht in einer Ampelkoalition?

Das wäre dann wohl zu viel Zwang.

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