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  • Klimawandel und Berliner Trinkwassersorgung

Den Mangel verwalten

Wasserbetriebe investieren in Versorgungssicherheit im Klimawandel

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Ein dumpfer Knall, der Boden vibriert. Schon haben die Berliner Wasserbetriebe am Montag wieder einen der 225 Brunnen des Wasserwerks Friedrichshagen am Ufer des Müggelsees gesprengt. Dabei geht es nicht um Zerstörung, sondern es wird dafür gesorgt, dass die 22 Meter in die Erde reichende Röhre sich nicht zusetzt, sondern weiter Wasser liefert.

Der Chef der Wasserbetriebe, Jörg Simon, hat geladen, um anlässlich des vom Landesunternehmen ausgerufenen Tages des Berliner Trinkwassers auf das Thema Versorgungssicherheit aufmerksam zu machen. »Wir merken, dass es insgesamt trockener wird, die Ressourcen knapp werden und wir vom Klimawandel auch stark betroffen sind«, sagt Simon. 112 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren in die Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung fließen - fast ein Sechstel der Investitionen in Wasserwerke und Rohrnetz. Dazu gehören die häufigere Regeneration der Brunnen durch die Sprengungen sowie die Bohrung von neuen, aber auch die Wiederinbetriebnahme von Wasserwerken. Das entsprechende Konzept ist 2019 erarbeitet worden. Bei den Wasserbetrieben hatte man nicht damit gerechnet, dass der Klimawandel sich mit mehrjährigen Dürren derart schnell und heftig in der Region auswirkt, räumt der Vorstandschef ein.

»Berlin ist, was das Trinkwasser angeht, gut aufgestellt. Wir glauben aber, dass wir in Zeiten kommen werden, wo das nicht ganz unproblematisch ist«, sagt Simon. Die Trinkwasserversorgung müsse Vorrang vor anderen Nutzungen haben. Durch die wachsende Bevölkerung und die heißeren Sommer stieg der Wasserverbrauch in Berlin von 2010 bis 2020 um über 15 Prozent auf rund 218 Millionen Kubikmeter. 1991 lag er allerdings noch bei fast 275 Millionen Kubikmetern, der Rückgang hängt vor allem mit der Deindustrialisierung nach der Wende zusammen.

Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz als Zusammenschluss der anerkannten Naturschutzverbände sieht bereits jetzt erhebliche Probleme. Der Natur wird das Wasser schlicht abgepumpt. Und bei den vor 25 Jahren begonnenen Genehmigungsverfahren für die Wasserwerke ist kein Ende absehbar. Wegen Verstoßes gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie hat die Arbeitsgemeinschaft daher Klage gegen die Umweltverwaltung eingereicht (»nd« berichtete).

»Mit Blick auf die Urteile deutscher und europäischer Gerichte zu Verstößen gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie haben wir eigentlich eine Gewinngarantie«, sagt Manfred Krauß zu »nd«. Er ist Gewässerexperte des Umweltverbands BUND Berlin. »Wir hoffen, dass wir bald zu einem guten Ergebnis kommen«, sagt Jörg Simon zu dem Verfahren.

»Ich glaube nicht, dass sich in der nächsten Zeit etwas tut«, kommentiert das Krauß. Denn aus der Aktenlage sei das nicht nachzuvollziehen. »Doch anstatt einzuräumen, dass man etwas versäumt hat und nacharbeiten muss, gehen Senat und Wasserbetriebe mit hochkarätigen Anwälten in das Verfahren. Ein Angebot, worüber man reden könnte, wollte man uns nicht machen«, beklagt der Umweltexperte.

Der mangelnde Zufluss von Spree und Havel zwingt die Wasserbetriebe, die Klärwerke um eine vierte Reinigungsstufe zu ergänzen, die hartnäckige chemische Verbindungen aus dem Abwasser filtern. Rund eine Milliarde Euro sollen für die Aufrüstung bis 2030 fließen. »Am Tegeler See musste die Anreicherung des Grundwassers durch Uferfiltrat deshalb zeitweise eingestellt werden, weil zu viele Fremdstoffe eingetragen worden sind«, berichtet Experte Manfred Krauß. Gerade im Sommer sei das Problem »massiv«.

Zwischen der Erpe-Mündung und dem Müggelsee in Friedrichshagen fließe die Spree dann rückwärts, denn das Klärwerk Münchehofe leitet die gereinigten Abwässer in die Erpe. Über die Brunnen am Ufer des Müggelsees kommen sie dann wieder ins Trinkwassernetz. »Am Wannsee ist es ähnlich. Das Wasser aus dem Teltowkanal fließt dann Richtung Norden zur Oberhavel, statt nach Potsdam«, so Krauß.

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