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In der Arbeiterklasse verwurzelt

Linke-Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers ist gestorben

  • Von Kathrin Vogler
  • Lesedauer: 3 Min.

Am 9. August ist die Linke-Politikerin und Gewerkschafterin Ingrid Remmers überraschend im Alter von nur 56 Jahren verstorben.

Aus einer Arbeiterfamilie im westfälischen Ibbenbüren stammend, hatte sie zunächst eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert. Neben der Familienarbeit als alleinerziehende Mutter hat sie auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und ein Studium der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum erfolgreich abgeschlossen. Anschließend arbeitete sie unter anderem in Projekten zur beruflichen Qualifizierung, zum funktionalen Analphabetismus und in einer Integrationseinrichtung für Jugendliche.

Die eigenen Erfahrungen und die Arbeit für die weniger Privilegierten in der Gesellschaft waren Auslöser für ihr politisches Engagement: So trat sie 2004 der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) bei, deren nordrhein-westfälischem Landesvorstand sie von 2005 bis 2007 angehörte.

Dort hat sie ganz wesentlich den Zusammenschluss mit der PDS zur Partei Die Linke mit vorbereitet, deren stellvertretende Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen sie bis 2009 war. Zu vielen Kreisverbänden, die sie in dieser aufregenden Zeit intensiv betreute, hielt sie weiter engen Kontakt und hatte stets ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Genoss*innen. Ihr Kreisverband Gelsenkirchen und Die Linke in NRW verlieren ebenso eine aktive und unermüdliche Mitstreiterin wie die Sozialistische Linke, in der sie sich als Sprecherin auf Landes- und Bundesebene engagierte.

Von 2009 bis 2013 war Ingrid Remmers erstmals Mitglied des Bundestages. Sie wurde Obfrau der Linksfraktion im Petitionsausschuss und Ko-Sprecherin der Landesgruppe NRW. In dieser Zeit hat sie sich besonders dafür eingesetzt, Petitionen als Mittel der direkten Demokratie zu stärken und für die politische Basisarbeit nutzbar zu machen.

Nachdem ihr der Wiedereinzug ins Berliner Parlament 2013 nicht gelungen war, kümmerte sie sich als Gewerkschaftssekretärin bei Verdi vor allem um die Interessen der Mitarbeiter*innen im Landesstraßenbetrieb NRW. Folgerichtig übernahm, nachdem sie 2017 wieder in den Bundestag eingezogen war, einen Sitz im Verkehrsausschuss und wurde verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion.

Die Ko-Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, schrieb zum Tode von Ingrid auf Twitter: »Ihr Herz schlug hörbar links.« Tief in der Arbeiterklasse verwurzelt, war Ingrid Remmers die enge Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Arbeitsloseninitiativen und Sozialverbänden stets ebenso selbstverständlich wie der direkte Kontakt zu den Menschen vor Ort. In der Partei und in der Fraktion galt sie als streitbar und zugleich loyal und kompromissbereit. Denen, mit denen sie zusammenarbeitete, wurde sie oft auch zur persönlichen Freundin und Vertrauten.

Trotz wiederholter Schicksalsschläge durch schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen kämpfte sie sich immer wieder mit aller Kraft zurück ins Leben und nahm wieder zunehmend aktiv am politischen Leben teil. Und so kam ihr Tod für ihre Familie, ihre Freund*innen und Genoss*innen überraschend und löst große Bestürzung aus. Ihre Tapferkeit, ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind für alle, die sie kannten, Inspiration und Vorbild.

Sie wird in Erinnerung bleiben – als zuverlässige, klassenbewusste und überaus engagierte Genossin und Kollegin, als aufrichtiger, warmherziger und zugewandter Mensch, als eine, die das Leben und die Menschen liebte. Wir trauern mit ihrer Familie und ihren Freund*innen um diese wunderbare Frau. Sie hinterlässt eine Tochter und zwei Enkelkinder, die sie über alles liebte.

Unsere Autorin ist Bundestagsabgeordnete der Linken Nordrhein-Westfalen

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