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Vertreter der Arbeiterklasse

Zeki Gökhan stärkt für einige Wochen die Reihen der Linke-Bundestagsfraktion

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.
Zeki Gökhan: Vertreter der Arbeiterklasse

Damit dürfte Zeki Gökhan selbst kaum gerechnet haben: dass er doch noch Mitglied des Bundestages sein würde. Dass dies jetzt geschehen ist, hat einen tragischen Hintergrund. Die Linke-Abgeordnete Ingrid Remmers war am 9. August im Alter von nur 56 Jahren verstorben. Gökhan, linkes Urgestein aus Nordrhein-Westfalen, rückte nach.

Die Bundes- und Weltpolitik wollte es, dass er trotz parlamentarischer Sommerpause in den wenigen Wochen bis zur Bundestagswahl Teilnehmer einer Sondersitzung des Plenums war. Am Mittwoch gehörte der 65- Jährige zu den sieben Linke-Abgeordneten, die gegen den Bundeswehreinsatz zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan stimmten. Gökhan hatte zuvor erklärt, er werde in der kurzen Zeit seiner Parlamentsmitgliedschaft »alles tun, um mich für eine sozialere und friedlichere Welt einzusetzen, in der internationale Solidarität und Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen«.

In Mazgirt im Südosten der Türkei geboren, kam Gökhan 1993 als politisch Verfolgter in die Bundesrepublik. Der Vater dreier erwachsener Kinder ist seit mehr als 40 Jahren in linken Organisationen engagiert, in der Linken seit 2008. Für den Bundestag hat er schon zwei Mal kandidiert, 2013 und 2017.

In der Türkei arbeitete er in den 1970er Jahren in einem Stahlwerk. Heute lebt er in Frechen im Rhein-Erft-Kreis, wo er als Lagerist arbeitet. Er ist damit einer der ganz wenigen im Bundestag, die nicht Akademiker sind und wirklich glaubhaft die Interessen der Werktätigen - und der großen Gruppe der Menschen mit Migrationsgeschichte zugleich - vertreten können. Diskriminierung hat er selbst erfahren, und auch innerhalb der NRW-Linken gab es offenbar einen wenig solidarischen Umgang mit ihm. Aus einem Mailwechsel in der NRW-Linken vom Februar dieses Jahres geht hervor, dass Genossen in Gökhans Abwesenheit meinten, man solle ihn von einer erneuten Kandidatur auf der Landesliste lieber abbringen, ihn »vor sich selbst schützen«, auch, weil er nicht gut genug Deutsch spreche. Dass dies vorgefallen ist, wurde von einem Mitglied des Landesvorstandes durchaus bestätigt, aber heruntergespielt. Dabei wäre es an der Zeit, dass Menschen wie Zeki Gökhan endlich stärker in der Politik vertreten sind, nicht nur für ein paar Wochen. Jana Frielinghaus

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