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Konzentration auf Berliner Wohnungsmarkt

Vonovia hat Mehrheit an Deutsche Wohnen, Mieter von Heimstaden und Akelius vereinen Widerstand

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Vonovia-Chef Rolf Buch (l), und Michael Zahn, Chef der Deutsche Wohnen im Mai bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus in Berlin zum geplanten Zusammenschluss der beiden Konzerne.
Vonovia-Chef Rolf Buch (l), und Michael Zahn, Chef der Deutsche Wohnen im Mai bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus in Berlin zum geplanten Zusammenschluss der beiden Konzerne.

Nach mehreren Anläufen ist es dem Bochumer Wohnungskonzern Vonovia nun geglückt, eine Aktienmehrheit an der in Berlin ansässigen Deutsche Wohnen zu bekommen. Bis zum späten Freitag habe sich die Vonovia 50,49 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte von Deutsche Wohnen gesichert, teilte der Konzern am Montag mit. Damit klappt im dritten Anlauf die Übernahme der Nummer zwei auf dem deutschen Wohnungsmarkt durch die Nummer eins. In Berlin ist Deutsche Wohnen mit rund 115.000 Wohnungen der größte Vermieter, Vonovia der zweitgrößte Privatvermieter mit etwa 43.000 Wohneinheiten. Knapp 15.000 Wohnungen des gemeinsamen Portfolios werden in einem politisch umstrittenen Deal für 2,46 Milliarden Euro an Berliner Landesunternehmen verkauft. Mit dann über 140.000 Wohneinheiten wird die neue Vonovia aber der Platzhirsch in der Hauptstadt.

Die neue Nummer zwei unter den Privatvermietern in Berlin wird dann der skandinavische Wohnungskonzern Heimstaden mit etwa 20.000 Wohneinheiten sein. Denn zu den bisher rund 5500 Wohnungen, von denen der Großteil erst im vergangenen Jahr in einem Megadeal gekauft worden ist, kommen bis Jahresende über 14.000 weitere hinzu. Es handelt sich um die Bestände des skandinavischen Konzerns Akelius, der sich komplett aus Berlin zurückzieht. Bekannt gemacht wurde der Deal in der Wahlnacht am Sonntag (»nd« berichtete).

Akelius war durch eine aggressive Aufwertungsstrategie aufgefallen, bei der Wohnungen nach Luxussanierungen für Quadratmeterpreise bis 40 Euro angeboten wurden. Der Konzern hat auch einen erheblichen Teil der Bestände aufgeteilt und im vergangenen Jahr begonnen, Eigentumswohnungen zu Preisen bis über 10 000 Euro pro Quadratmeter zum Verkauf anzubieten. Dass sich Akelius aus Berlin angesichts der zunehmenden Regulierung verabschieden möchte, war schon länger vermutet worden, ist von Konzernseite aber lange bestritten worden. Ende Juni kündigte Konzernchef Ralf Spann jedoch eine »Restrukturierung« unter anderem der deutschen Bestände an.

Heimstaden nutzt Übergangsperiode aus

»Die Wahl des Zeitpunkts der Bekanntgabe des Megadeals erscheint als gezielte Ausnutzung eines für die Demokratie ebenso wichtigen wie fragilen Moments: Die politisch Verantwortlichen sind auf mehreren Ebenen mit der Regierungsneubildung befasst«, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Vernetzungen der Mieterinnen und Mieter beider Konzerne aus Berlin und Hamburg vom Dienstag. In der Hansestadt übernimmt Heimstaden von Akelius rund 3600 Wohnungen und fasst dort so erstmals Fuß.

»Sowohl Heimstaden als auch Akelius sind bereits international agierende Konzerne des Finanzkapitals mit einem sehr schlechten Ruf bei Mieter*innen, Gesellschaft und Politik«, heißt es weiter in der Mitteilung.

Freundliches Image nicht gedeckt

Der neue Berliner Großvermieter gibt sich freundlich. »Bei uns stehen die Interessen von Mieterinnen und Mietern, eine hohe Servicequalität, Erreichbarkeit und Kundenzufriedenheit an erster Stelle«, schreibt Heimstaden-Deutschlandchefin Caroline Oelmann in einem als »Offener Brief« titulierten Anschreiben an die Bewohnerinnen und Bewohner der Akelius-Häuser. Doch so freundlich agiert der Konzern dann doch nicht immer. Heimstaden hatte beispielsweise in Oslo versucht, das Vorkaufsrecht der Kommune zu umgehen. Auch bot er der Polizei in der norwegischen Hauptstadt Häuser als Übungsgelände für Drogenspürhunde an. Das lässt sich nur schwer mit dem Schlagwort »friendly homes« - zu Deutsch etwa: »freundliches Heim« - vereinbaren, das der Konzern propagiert. Auch in Berlin bedurfte es eines großen Kraftakts von Senat, Bezirken und Mieterbewegung, damit Heimstaden Abwendungsvereinbarungen für das Häuserpaket von 2020 unterzeichnet.

Die Mietendenvernetzungen befürchten, dass Heimstaden in den bereits aufgeteilten Häusern Wohnungen einzeln an Anleger*innen weiterverkauft. Sie fordern, »dass der neue Berliner Senat sofort den Auftrag aus dem Volksentscheid umsetzt und ein Gesetz zur Enteignung und Vergesellschaftung auch der Heimstaden-Häuser in Kraft setzt«.

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