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Der Verschollene

Franz Kafkas Zeichnungen werden endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

  • Von Erik Zielke
  • Lesedauer: 2 Min.
Franz Kafkas: Der Verschollene

Das Werk des deutsch schreibenden Prager Juden Franz Kafka ist Weltliteratur. Seine rätselhaften, ganz eigentümlichen Texte haben eine regelrecht soghafte Wirkung. Die höchst schwierige Rezeptionsgeschichte ist schnell referiert: Zu seinen Lebzeiten war Kafka verkannt. Nach seinem Tod wurde er gegen seinen Willen veröffentlicht. Ein kurz anhaltender Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Dann verbrannten die Nazis seine Werke.

Und wie ging die Geschichte weiter? Der Sündenfall der Kulturpolitik der DDR bestand in einem zeitweiligen Dogmatismus, der einer Borniertheit gleichkam. Kafka wurde aus dem Kanon getilgt. Gänzlich anders sah und sieht es natürlich im westlichen Konterpart aus. Hier ist künstlerisch alles erlaubt, weil nichts von Interesse ist. Außer vielleicht von einem ökonomischen. Und so erfahren wir Nachgeborenen dann plötzlich auch, dass uns Franz Kafka nicht nur Prosa und Briefe hinterlassen hat, sondern ebenfalls ein großes zeichnerisches Werk. Und wo war das literarische Erbe verborgen, das doch der Öffentlichkeit präsentiert gehört? In einem Schweizer Bankfach. Erst ein Rechtsstreit hat für Besserung gesorgt. Jetzt wurden die Zeichnungen nach Israel überführt, wo sie ausgestellt werden. Ein dieser Tage bei Beck erschienener Bildband gibt auch hierzulande die Möglichkeit zu Entdeckungen.

Was aber sagen uns diese Zeichnungen über Kafka? Dass er der große künstlerische Autodidakt des vergangenen Jahrhunderts war zum Beispiel, dass er in beiden Künsten zum Grotesken neigte und dass man sein Werk auch mit Humor nehmen sollte.

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