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Revival für den Naturschutz

Organisationen wie der WWF sind mit Zusagen der Staaten zu Naturerhalt, Renaturierungen und nachhaltiger Landwirtschaft zufrieden

  • Von Sandra Kirchner, Glasgow
  • Lesedauer: 4 Min.

Böse Zungen sagen über Boris Johnson, dass er per Pressemitteilung regiere - mit spontanen Ankündigungen und nicht, weil er einen Plan hat. Dieser Politikstil des britischen Premiers lässt sich auch auf der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow beobachten. Ein Versprechen jagt das nächste, ein Pakt folgt auf den anderen. Das bringt gute Presse - doch was davon am Ende wirklich Treibhausgase einspart, bleibt zunächst offen. Am vergangenen Samstag folgte indes die nächste Ankündigung auf der Klimakonferenz: 45 Regierungen haben zugesagt, Maßnahmen für eine nachhaltige Landwirtschaft zu ergreifen und Investitionen zum Naturschutz zu tätigen.

Großbritannien will 500 Millionen Pfund (585 Millionen Euro) geben, um fünf Millionen Hektar tropischen Regenwald zu schützen. Zudem sollen vier Milliarden US-Dollar an neuen Investitionen des öffentlichen Sektors in landwirtschaftliche Innovationen fließen. Damit sollen die Entwicklung hitzeresistenter Pflanzen oder Maßnahmen zur Verbesserung der Bodengesundheit finanziert werden. Was die neue Initiative wirklich für das Klima bringt, bleibt allerdings unklar.

Rund ein Viertel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen entsteht in der Land- und Forstwirtschaft. Fast die Hälfte dieser Emissionen stammt aus Landnutzungsänderungen: wenn also Wälder zu Äckern oder Weideland umgewandelt oder Moore trockengelegt werden. Solche Eingriffe in Ökosysteme haben weitreichende Konsequenzen. Sie setzen nicht nur Treibhausgase frei, sondern können auch die Ökosysteme schädigen und die Artenvielfalt verringern. Deshalb fordern Wissenschaftler*innen, dass mehr Agrarflächen und Forste nachhaltig bewirtschaftet werden müssen.

Das könnte gleich zwei miteinander verkettete Probleme lösen: den Klimawandel und den immer schneller voranschreitenden Verlust der Artenvielfalt. Weil Klimakrise und Artensterben zusammenhängen und sich wechselseitig verstärken, fordern der Weltklimarat IPCC und der Weltbiodiversitätsrat IPBES, dass beide Krisen dringend gemeinsam bewältigt werden müssen.

Viele Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt sind auch sinnvoll für den Klimaschutz. Wenn beispielsweise Moore stärker geschützt oder renaturiert werden, ist das gut für die Arten, die sich an Moore angepasst haben, aber auch für das Klima. Ebenso stabilisiert der Schutz von naturnahen Wäldern, Feuchtgebieten, Savannen oder Mangroven das Klima wie die Artenvielfalt. Zudem sind Methoden, mit denen die Natur für den Klimaschutz genutzt werden kann, ohne großen technischen Aufwand heute schon verfügbar und anwendbar - und das zu vergleichsweise geringen Kosten.

Das Potenzial dieser naturbasierten Lösungen ist enorm, Wissenschaftler*innen schätzen sie auf elf Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent jährlich. Das entspräche beinahe einem Drittel der bis 2030 benötigten Einsparungen zum Erreichen der Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen.

Die Politik hat die Chancen der Natur als Klimaretterin mittlerweile erkannt. Mehr als 90 Prozent der aktualisierten Klimapläne der Staaten enthalten Maßnahmen gegen den Verlust der Natur. Das geht aus einem Bericht der Umweltorganisation WWF hervor, der auf dem Klimagipfel vorgestellt wurde. »Es ist ermutigend, dass mehr Länder auf die Natur beim Klimaschutz setzen, denn es gibt keinen Weg, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ohne die Natur zu schützen und wiederherzustellen«, sagt Stephen Cornelius vom WWF. Die Klimakrise und der Verlust der Natur seien zwei Seiten derselben Medaille, die eine Krise könne nicht ohne die andere gelöst werden. Dem WWF-Bericht zufolge enthalten die Klimapläne von 96 Staaten naturbasierte Lösungen bei den Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes. Bei der Anpassung an den Klimawandel setzen immerhin 91 Pläne unter anderem auf die Natur. Ausgeschöpft ist das Potenzial damit noch nicht.

»Immer mehr Regierungen verpflichten sich zwar, im Rahmen ihrer Klimapläne Maßnahmen für die Natur zu ergreifen, aber es werden immer noch zu wenige naturbasierte Lösungen verfolgt«, sagt WWF-Experte Gavin Edwards. Es gebe keinen gangbaren Weg, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ohne dabei die Natur zu berücksichtigen. »Die Natur muss in den Ergebnissen der Klimakonferenz anerkannt werden«, so Edwards, »und die Regierungen müssen sich verpflichten, naturbasierte Lösungen schnellstmöglich im großen Umfang anzuwenden.«

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