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The real B.1.1.529

Auf Twitter erzählt »Omicron aka B.1.1.529« von seiner Tour durch Deutschland. Die Zahl seiner Follower*innen wächst rasant

  • Von Birthe Berghöfer
  • Lesedauer: 4 Min.
Auch beim Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach soll »Omicron aka B.1.1.529« dabeigewesen sein.
Auch beim Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach soll »Omicron aka B.1.1.529« dabeigewesen sein.

Die vierte Corona-Welle rollt durch Deutschland und mit ihr nun auch immer mehr Fälle der als besorgniserregend eingestuften Corona-Variante Omikron. Was im wirklichen Leben gar nicht lustig ist, hat im Internet eine humorvolle Entsprechung gefunden: ein neuer Twitter-Account namens »Omicron aka B.1.1.529«. Seit November twittert die Sars-CoV-2 Variante über ihre Tour durch Deutschland.

»So, nun bin ich offiziell eingereist. Mal schauen was der Tag so bringt«, schrieb Omikron am 26. November und wurde auch direkt über den Stand der Dinge in Deutschland in Kenntnis gesetzt. Etwa von der Userin Dr. Zhivaga: »Herzlich Willkommen B11529! Hier hast du nichts zu befürchten; bis heute Nacht haben noch viele Deiner Geschwister Zeit nachzureisen und mit Applaus empfangen Euch unsere Ungeimpften Querdenker und werden Euch bundesweit verteilen, vor allem Ostdeutschland, Bayern und Baden-Württemberg dürften Euch sehr gefallen!«

Bereits einen Tag später hatte Omikron 10 000 Follower*innen - digitale natürlich, keine analogen. Zum Glück. »Exponentielles Wachstum ist was feines. Eben noch hatte man nur eine Hand voll Infi… Follower und dachte das wird nie was mit der Ausbreitung. Und Bums, hat man das ganze Land infi… Ähhh Und Bums, hat man 20 000 Follower«, lautet ein Tweet nur zwei Tage nach Omikrons Twitter-Start. Mittlerweile hat der Account @realB11529 über 40 000 User*innen mit seinen Geschichten aus Deutschland infiziert. In regelmäßigen Abständen beschreibt das Virus seinen Tag, mit wem es sich »angefreundet« hat und wie diese »Freundschaft« so verläuft.

Und Freund*innen zu finden, das fällt Omikron nicht schwer. Bereits kurz nach seiner Ankunft in Deutschland war es auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt und fand ihn »großartig«: »Glühwein ist ein tolles Getränk, es hebt die Stimmung und man kommt sich näher. Gleich geh ich zum Adventsliedersingen in die Kirche. Danach vielleicht noch in eine Kneipe. Ein toller erster Tag in Deutschland.« Auch der Kölner Weihnachtsmarkt und der in Trier sollen gut gewesen sein.

Natürlich hat sich Omikron auch das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am 27. November im Rheinenergiestadion nicht nehmen lassen. Gerade rechtzeitig hatte es noch jemanden mit Ticket für das Spiel erwischt: »Er ist geimpft, daher war ich mir nicht sicher, ob ich mich ausreichend vermehren kann. Sieht aber gut aus, ein paar Stunden hab ich ja noch. Er ist symptomlos und ahnt von nix. Also pssst …«

Im Stadion lernt Omikron unter den 50 000 Zuschauer*innen schließlich Mischaäl kennen. Der Rheinländer sei von Omikrons Verwandtschaft - aktuell vermutlich vor allem seinem Cousin Delta - gewaltig genervt. »Nicht aus Angst vor uns, sondern wegen der Einschränkungen. Karneval, Bundesliga, Vereinsleben. Und er ist ungeimpft. Eigentlich hatte er vor, sich impfen zu lassen. Hat es aber immer vor sich hergeschoben. Außerdem hat er einen Kumpel, der immer erzählt, wie gefährlich die Impfung wäre. Und dann hat der Kumpel ihm einen gefälschten Impfausweis besorgt«, erklärt Omikron Ende November. Lange hat es Mischaäl auch zur Arbeit als Handwerker im Außendienst begleitet. Aktuell geht es Mischaäl aber wohl nicht so gut: »Wahnsinnig müde und trotzdem schlecht geschlafen. Total gerädert fühlt er sich. Kopfschmerzen hat er auch noch«, twitterte Omikron am 1. Dezember.

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Doch nur weil Mischaäl erst einmal ans Bett gefesselt sein wird, ist die Tour durch Deutschland nicht vorbei. Es geht zu Meetings ohne Masken, zum Großeinkauf bei Ikea und natürlich in die Schule. Die Grundschule von Mia in Potsdam scheint Omikron allerdings nicht besonders zu gefallen. In der Parallelklasse sind fast alle geimpft, die Kinder müssen sich dreimal die Woche testen lassen, und alle 20 Minuten werden die Fenster in den Zimmern aufgerissen. »Das stört doch total! Vor allem mich!«, kommentierte Omikron erst diesen Donnerstag. Bleibt zu hoffen, dass es sich auf seiner Tour durch Deutschland häufiger gestört fühlt. Zumindest im echten Leben.

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