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Inflation frisst Löhne auf

Gewerkschaftsnahes Institut geht für 2021 von Reallohnverlusten bei Tarifabschlüssen aus

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.
Unterm strich haben viele trotz Lohnsteigerungen wegen der hohen Inflation dieses Jahr am Ende weniger Geld in der Tasche.
Unterm strich haben viele trotz Lohnsteigerungen wegen der hohen Inflation dieses Jahr am Ende weniger Geld in der Tasche.

Derzeit ist viel die Rede von der angeblichen Gefahr einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale. Das bedeutet, dass Gewerkschaften aufgrund der Preiserhöhungen höhere Löhne einfordern, was wiederum die Inflationsrate nach oben drückt. Doch tatsächlich ist - bis auf die hohe Teuerungsrate - davon noch nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: So sind die Tarifabschlüsse dieses Jahr besonders niedrig und bedeuteten für die Beschäftigten letztlich Reallohnverluste, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche (WSI) Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag veröffentlichte. Der Tarifabschluss für Länderbeschäftigten sieht zum Beispiel prozentuale Gehaltssteigerungen erst für nächstes Jahr vor.

»Die Tarifrunde 2021 wurde nach wie vor durch den ungewissen Verlauf der Corona-Pandemie und die damit verbundenen ökonomischen Unsicherheiten geprägt«, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. So schlugen die Gewerkschaften für die zwölf Millionen Beschäftigen, für die sie 2021 verhandelten, im Schnitt ein Lohnplus von 1,5 Prozent heraus. Rechnet man die sechs Millionen Beschäftigten hinzu, deren Lohnsteigerungen bereits 2020 oder früher vereinbart wurden, dann stiegen die Tariflöhne dieses Jahr um 1,7 Prozent. Dies ist noch mal weniger als das, was vergangenes Jahr als Plus in den Lohntüten herauskam, als die Löhne im Schnitt um 2 Prozent stiegen. In den zwei Vor-Corona-Boomjahren 2018 und 2019 waren es sogar noch 3,0 beziehungsweise 2,9 Prozent.

In einigen Branchen wurde laut WSI dieses Jahr ganz auf prozentuale Lohnzuwächse verzichtet und stattdessen die Zahlung einer Corona-Prämie vereinbart wie in der Metall- und Elektroindustrie. Vor allem aber stiegen die Preise dieses Jahr weitaus schneller als in den Vorjahren. Lag die Inflationsrate 2019 und 2020 bei 1,4 beziehungsweise 0,5 Prozent, geht das WSI für dieses Jahr von einer Inflation von 3,1 Prozent aus.

»Während 2020 die Beschäftigten aufgrund einer damals sehr niedrigen Inflationsrate ein kräftiges Reallohnwachstum verzeichnen konnten, übersteigen hohe Inflationsraten in diesem Jahr erstmals seit langem wieder deutlich die Tariflohnzuwächse«, sagt Schulten. Für 2022 geht Schulten von einer Normalisierung der Inflation aus, während die Tariflöhne etwas kräftiger steigen könnten. »Für das von einigen an die Wand gemalte Schreckgespenst einer Lohn-Preis-Spirale findet sich in den Tarifdaten bislang keinerlei Grundlage«, so der Tarifexperte.

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