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Rassisten haben Macht im Stadion

Spielabbrüche stärken rechte Störer nicht. Sie zu ignorieren hat jedenfalls nichts gebracht

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.
Aaron Opoku (r.) verließ am Sonntag nach rassistischen Beleidigungen eines Duisburger Fans mit seinen Osnabrücker Teamkollegen das Stadion.
Aaron Opoku (r.) verließ am Sonntag nach rassistischen Beleidigungen eines Duisburger Fans mit seinen Osnabrücker Teamkollegen das Stadion.

Wer am Tag nach dem Rassismusvorfall im Drittligaspiel zwischen Duisburg und Osnabrück danach suchte, was der Hashtag #Spielabbruch so anzubieten hatte, fand neben Lob für Fans und Schiedsrichter sowie Solidarität für den rassistisch beleidigten Aaron Opoku oft einen Gedanken vorgekaut: »Idioten bekommen die Macht, ein Fußballspiel abzubrechen.« »Das ist nicht verhältnismäßig.« »Hoffentlich wird das nicht zur Masche.«

Dabei ist es ein Trugschluss zu glauben, mit derlei Aktionen würden einzelne Rassisten mehr Macht bekommen. Denn die haben sie längst. Man musste am Sonntag den Beteiligten nur genau zuhören: »Ich habe direkt gesehen, wie schockiert er war«, sagte Schiedsrichter Nicolas Winter über Opoku. Selbst der Sprecher des gegnerischen Vereins erkannte: »Der Junge ist fix und alle.«

Ohne Abbruch hätte Osnabrück mit einem mental angeschlagen Spieler weitermachen oder ihn auswechseln müssen. Beides wäre eine Schwächung gewesen, für die der Rassist gesorgt hätte. Auf diese Weise beeinflussen seinesgleichen seit Jahrzehnten den Fußball. Sie entmenschlichen, säen Angst, verletzen Menschen tief in ihrer Würde. Einfach weitermachen hat sie jedenfalls nicht verstummen lassen. Mal sehen, was Geldstrafen wegen Verursachen eines Abbruchs sowie eine Verurteilung vor Gericht bewirken.

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