Ein Anachronismus

Karlen Vesper warnt, Kunst und Kultur an die Kandare zu nehmen

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: 1 Min.
Der russische Star-Dirigent Waleri Gergijew verlor seinen Posten als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker wegen seiner Nähe zu Präsident Wladimir Putin.
Der russische Star-Dirigent Waleri Gergijew verlor seinen Posten als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker wegen seiner Nähe zu Präsident Wladimir Putin.

Der russische Star-Dirigent Waleri Gergijew wurde seines Amtes bei den Münchener Philharmonikern enthoben, weil er sich nicht von Putin distanziere. Auch verlor er seine Ehrenpräsidentschaft über das renommierte Edinburgh International Festival. Deutschlands Bundespräsident zog seine Schirmherrschaft über eine Ausstellung internationaler Künstler in der Moskauer Tretjakow-Galerie unter dem Titel (sic!) »Diversity United« zurück. Die New Yorker Metropolitan Opera will nicht mehr mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die Putin unterstützen. US-Filmgigant Disney bringt vorerst keine Filme mehr in russische Kinos. Die für März geplanten Russischen Filmtage in Münster und Düsseldorf sind abgesagt. Was für ein Verständnis von Kultur und Kunst blitzt da auf? Sollen sie (geo)politischem Diktat unterworfen werden? Sich Schützengrabenmentalität befleißigen?

Ein Paradoxon, Anachronismus, Unding. Kunst und Kultur leben vom Austausch, von Grenzüberschreitung, so unwirtlich die Zeiten sein mögen. Sie an die Kandare zu nehmen, für welche Zwecke auch immer, hieße, sie auszudörren. Beachtenswert, was wider die allgemeine Hysterie just die russische Opernsängerin Anna Netrebko anmahnte, die viele Freunde in der Ukraine hat: Künstler sollten nicht gezwungen werden, ihre politischen Ansichten öffentlich kundzutun, ebenso nicht, ihr Vaterland zu beschimpfen.

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