Taliban schließen Schulen für Mädchen

Afghanistan: Kurswechsel wenige Stunden nach Öffnung weiterführender Bildungseinrichtungen

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 3 Min.
Junge afghanische Mädchen besuchen den Unterricht in einer Grundschule in Kabul. Rund sieben Monate nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan bleiben weiterführende Schulen weiterhin für Mädchen verschlossen.
Junge afghanische Mädchen besuchen den Unterricht in einer Grundschule in Kabul. Rund sieben Monate nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan bleiben weiterführende Schulen weiterhin für Mädchen verschlossen.

Kurz nach der offiziellen Öffnung weiterführender Schulen für Mädchen in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban diesen Beschluss wieder rückgängig gemacht. Tausende Schülerinnen wurden am Mittwoch an ihrem ersten Unterrichtstag seit August nach wenigen Stunden wieder nach Hause geschickt. Die Uno kritisierte diese Entscheidung und forderte die Taliban auf, »das Recht aller Mädchen auf Bildung zu respektieren«.

»Alle Schülerinnen sind sehr aufgeregt und alle kommen mit Freude in die Schule«, sagte Latifa Hamdard, die Direktorin eines Gymnasiums in der Stadt Herat. AFP-Reporter filmten dann am Mittwochmorgen in einem Gymnasium in der afghanischen Hauptstadt Kabul, als ein Lehrer den Raum betrat und auf Anordnung der Taliban alle nach Hause schickte. Die fassungslosen Schülerinnen schlossen ihre Bücher, packten ihre Sachen und verließen weinend das Klassenzimmer.

Die Entscheidung sorgte für große Verwirrung, eine schlüssige Begründung lieferten die Taliban nicht. »In Afghanistan, vor allem in den Dörfern, ist die Mentalität noch nicht so weit«, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. »Wir haben einige kulturelle Einschränkungen, aber die Hauptsprecher des Islamischen Emirats werden bessere Erklärungen liefern.«

Die Taliban hätten überhaupt kein Interesse daran, dass Frauen zur Schule gehen, sagt gegenüber »nd« Frauenrechtsaktivistin Hoda Khamosh, »dann würden die Frauen nämlich verstehen, welche Rechte sie haben«. Die Taliban hätten allein das Töten im Sinn.

Wie AFP aus Taliban-Kreisen erfuhr, war die Entscheidung für die Schulschließungen nach einem Treffen hochrangiger Beamter am Dienstagabend in Kandahar getroffen worden. In sozialen Medien wurde gemutmaßt, die Taliban benutzten die Frage des Schulbesuchs als Druckmittel, um internationale Anerkennung zu erreichen. Ein früherer Regierungsberater meinte, der kurzfristige Rückzieher zeige einen Bruch in der Führungsriege der Islamisten. Westliche Länder machen eine Anerkennung der Taliban-Regierung unter anderem von Fortschritten bei Frauenrechten abhängig.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte die Islamisten auf, »das Recht aller Mädchen auf Bildung zu respektieren und die Schulen für alle Schülerinnen unverzüglich wieder zu öffnen«. Mädchen und Frauen das Recht auf Bildung zu verweigern, verletze deren Menschenrechte und setze sie vermehrt »Gewalt, Armut und Ausbeutung aus«, betonte Bachelet. Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) verurteilte auf Twitter die Entscheidung der Taliban. Auch Amnesty International kritisierte den Rückzieher und äußerte sich zutiefst besorgt über die Nachricht. »Die derzeit von den Taliban verfolgte Politik ist diskriminierend, ungerecht und verstößt gegen das Völkerrecht«, twitterte die Menschenrechtsorganisation. Mit Agenturen

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