Lafontaine trendet als Buhmann

Bei »Maischberger« warb der Ex-Linke für Verhandlungen mit Putin und nannte auch US-Präsident Biden einen Kriegsverbrecher

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.
Oskar Lafontaine, früherer Linke-Parteichef, war bei »Maischberger« zu Gast.
Oskar Lafontaine, früherer Linke-Parteichef, war bei »Maischberger« zu Gast.

Die Auswahl der Protagonisten war wohl Kalkül in Sachen Hashtag- und Empörungsgenerierung: Höhepunkt der ARD-Sendung »Maischberger. Die Woche« am Mittwochabend war ein Disput zwischen dem verhinderten CDU-Chef Norbert Röttgen und dem soeben mit Trara und Türenschlagen aus der Linkspartei ausgetretenen Oskar Lafontaine. Es ging um Sinn und Unsinn von Verhandlungen mit Russlands Präsident Putin.

Erwartungsgemäß arbeiteten sich viele Twitter-Nutzer an Lafontaines Positionen ab und an dessen teils etwas wirren Einlassungen über Feindesliebe und wunderbare russische Literatur. Und beklatschten Röttgen, der twitternd sich selbst zitierte. Lafo hatte indes auch für Verhandlungen mit der russischen Seite plädiert. Und erklärt, er halte nicht nur Putin, sondern auch US-Präsident Joe Biden für einen Kriegsverbrecher.

Tatsächlich hatte Biden unter anderem in den 90er Jahren den damaligen Präsidenten Bill Clinton von den völkerrechtswidrigen Luftschlägen gegen Serbien und der Aufrüstung bosnischer Muslime überzeugt. Röttgen warb derweil für harte Sanktionen, Boykott russischen Erdgases und die aktuellen Aufrüstungsvorhaben der Bundesregierung. Und er erklärte Verhandlungen letztlich für sinnlos, da Putin nicht zu glauben sei.

Bemerkenswert ein Paradebeispiel Röttgen’scher Demagogie: Lafontaine hatte sich mit Verweis auf die extremen Preissteigerungen und die Belastungen für ärmere Menschen gegen einen Gasboykott ausgesprochen. Daraufhin nannte der CDU-Mann es »unglaublich«, dass Lafontaine »Mitbürgern« unterstelle, sie seien nicht bereit, »selbst mit ihrem geringen Einkommen einen Beitrag dazu leisten, dass nicht mehr die Babys sterben, weil sie erfrieren oder verdursten, und nicht die Kinder sterben und den anderen die Arme abgeschossen werden«. So »egoistisch« seien »die Menschen« hierzulande mehrheitlich nicht, dass sie sagten: »Ich kann mir nicht 30 Euro leisten, dann sollen die doch lieber sterben.« Im Umkehrschluss heißt das: Der Hartz-IV-Bezieher, der meint, sich nicht noch weiter einschränken zu können, ist für den Tod von Kindern verantwortlich.

Die Diskussion vor dem Duell Röttgen – Lafo war übrigens keine. Denn sämtliche Teilnehmende bis zur »Taz«-Wirtschaftsexpertin Ulrike Herrmann waren sich in allem und selbst darin einig, dass das riesige Aufrüstungspaket der Bundesregierung notwendig sei. Nur so habe man das notwendige Drohpotenzial, um Putin zur Aufgabe zu zwingen. Die Strategie habe schließlich seinerzeit auch beim »Totrüsten« der Sowjetunion und ihrer Verbündeten funktioniert.

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