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  • Eishockey-WM in Finnland

Die größten Hürden stehen am Start

Bei der Eishockey-WM in Finnland trifft das deutsche Team gleich zum Auftakt auf den Rekordweltmeister

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 6 Min.
Auf Moritz Seider (l.) von den Detroit Red Wings ruhen große deutsche WM-Hoffnungen.
Auf Moritz Seider (l.) von den Detroit Red Wings ruhen große deutsche WM-Hoffnungen.

Folgt man den aktu­el­len Anga­ben eines füh­ren­den Sport­wett­an­bie­ters, so erwar­tet das Natio­nal­team des Deut­schen Eis­ho­ckey-Bun­des (DEB) an die­sem Frei­tag eine kal­te Dusche. Schließ­lich steht gleich zum Auf­takt der Welt­meis­ter­schaft in der Hel­sin­ki Ice Are­na das Duell gegen Titel­ver­tei­di­ger und Rekord­welt­meis­ter Kana­da an, und alle Zei­chen ste­hen auf einen Favo­ri­ten­sieg in der Grup­pe A. Tags dar­auf geht das deut­sche Team laut Wett­bü­ros gegen den Olym­pia­drit­ten Slo­wa­kei immer­hin als leich­ter Favo­rit aufs Eis, obwohl die Mann­schaft bei den Win­ter­spie­len 2022 in Peking noch an den Slo­wa­ken geschei­tert war.

Natür­lich sind das nicht mehr als Papier­rech­nun­gen. Ent­schie­den wer­den Spie­le auch bei Welt­meis­ter­schaf­ten nach wie vor durch Tore auf dem Eis und nicht durch von Algo­rith­men errech­ne­te Quo­ten. Die deut­sche Aus­wahl zehrt noch immer vom Ruhm der olym­pi­schen Sil­ber­me­dail­le 2018 und davon, vor einem Jahr erst­mals seit der Heim-WM 2010 in den Kreis der bes­ten vier Natio­nen vor­ge­drun­gen zu sein. Doch bei Olym­pia 2022 erlitt sie zuletzt einen her­ben Rück­schlag (10. Platz). Daher strebt das Team von Bun­des­trai­ner Toni Söder­holm nun eine Wie­der­gut­ma­chung an.

Die Vor­be­rei­tung auf die WM lief jedoch sub­op­ti­mal. Die letz­te Gene­ral­pro­be, der sie­ben­te und letz­te Här­te­test am Wochen­en­de in Schwen­nin­gen gegen Öster­reich (3:1), wur­de nur mit Mühe bestan­den. Zuvor hagel­te es vier Nie­der­la­gen und nur zwei wei­te­re Erfol­ge gegen Tsche­chi­en und die Schweiz. Das ver­an­lass­te Söder­holm, immer wie­der auf sei­ne Spie­ler ein­zu­re­den: »Das müs­sen wir alles so schnell wie mög­lich abha­ken, um den Kopf frei zu bekom­men, für das, was kommt.« Dabei ver­hehl­te er nicht, dass es »etli­che Bau­stel­len« gebe, »vor allem, was das Spie­le­ri­sche« betreffe.

Aber als Trai­ner übte er sich natur­ge­mäß auch in Opti­mis­mus: »Man merkt, dass die Mann­schaft lang­sam zusam­men­wächst. Da ist eine Stim­mung drin, auf der man viel auf­bau­en kann. Wenn der Tag kommt, an dem es zählt, wird vie­les zusam­men­kom­men.« Dabei baut der Fin­ne auch auf die erst kurz vor WM-Beginn zum Team gesto­ße­nen Spie­ler aus der NHL und von den bei­den Fina­lis­ten der DEL-Play­offs Ber­lin und Mün­chen.

Die­sen Opti­mis­mus teilt auch der aus Detroit ange­reis­te NHL-Ver­tei­di­ger Moritz Sei­der mit Blick auf die sie­ben Vor­run­den­geg­ner. Schließ­lich ste­hen die Sieg­chan­cen vor allem gegen den Nach­rü­cker Frank­reich ziem­lich gut. Die Fran­zo­sen haben recht kurz­fris­tig den Platz für das wegen der Ukrai­ne-Inva­si­on aus­ge­schlos­se­ne Team aus Russ­land ein­ge­nom­men, und so wäre alles ande­re als ein Sieg am kom­men­den Mon­tag eine Über­ra­schung. »Wenn wir ein­mal in den Rhyth­mus kom­men, dann sind wir schwer zu stop­pen. Da müs­sen wir das Momen­tum mit­neh­men«, hoff­te Seider.

Dem DEB-Team win­ken also nach dem Kraft­akt gegen Kana­da und die Slo­wa­ken zum WM-Start und einem fol­gen­den Ruhe­tag durch­aus Erfolgs­chan­cen gegen Frank­reich, Däne­mark, Ita­li­en und Kasach­stan. Zum Vor­run­den­ab­schluss kommt es dann zum Pres­ti­ge­du­ell gegen die Schweiz, das – so ver­mu­ten die meis­ten Beob­ach­ter – womög­lich zur ent­schei­den­den Par­tie für den Ein­zug ins Vier­tel­fi­na­le mutie­ren wird. In die­se Run­de zie­hen die ers­ten vier der bei­den Ach­ter­grup­pen ein. Hier geht es dann gegen die bes­ten Natio­nen der Vor­run­den­grup­pe B. Auch hier gibt es mit Öster­reich einen Nach­rü­cker für das wegen des Ukrai­ne-Krie­ges gesperr­te Team aus Bela­rus. Frank­reich und Öster­reich gel­ten jedoch auch als ers­te Kan­di­da­ten für die zwei Abstiegs­plät­ze, die anders als 2021 wie­der ein­ge­führt wurden.

Als Favo­ri­ten die­ser Titel­kämp­fe wer­den Kana­da, das den 28. WM-Titel anpeilt und sich damit zum allei­ni­gen Rekord­welt­meis­ter vor Russ­land krö­nen könn­te, Olym­pia­sie­ger Finn­land sowie der elf­ma­li­ge Titel­trä­ger Schwe­den gehan­delt. Im Gegen­satz zum WM-Tur­nier von 2021 in Riga, das zuvor Bela­rus auf­grund der Ver­fol­gung Oppo­si­tio­nel­ler ent­zo­gen wor­den war, wird es dies­mal kei­ne soge­nann­te Coro­na-Bla­se mehr geben. In bei­den WM-Orten Hel­sin­ki und Tam­pe­re kön­nen sich die Spie­ler, für die vor der Abrei­se ein PCR-Test und bei Ankunft in Finn­land noch ein Schnell­test Pflicht waren, frei bewegen.

Nach­dem das WM-Tur­nier vor Jah­res­frist pan­de­mie­be­dingt noch vor fast völ­lig lee­ren Rän­gen aus­ge­tra­gen wer­den muss­te, wird dies­mal wie­der mit vol­len Hal­len gerech­net. Jedoch kom­men nicht ganz so vie­le Fans hin­ein wie ursprüng­lich geplant. Das liegt jedoch zur Abwechs­lung mal nicht an Coro­na-Ein­schrän­kun­gen. Viel­mehr gab es kriegs­be­dingt eine bemer­kens­wer­te Ände­rung: Ursprüng­lich war in Hel­sin­ki die deut­lich grö­ße­re Hart­wall Are­na als Spiel­ort vor­ge­se­hen. An der hal­ten aller­dings zwei rus­si­sche Olig­ar­chen gro­ße Antei­le, die seit Beginn des Angriffs­krie­ges in der Ukrai­ne auf EU- und US-Sank­ti­ons­lis­ten gelan­det sind. Da die bei­den nicht von den WM-Ein­nah­men und dem Pres­ti­ge des Tur­niers pro­fi­tie­ren sol­len, wech­sel­ten die WM-Ver­an­stal­ter schnell in eine ande­re, wenn auch klei­ne­re Hal­le: die alt­ehr­wür­di­ge Hel­sin­ki Ice Hall. Ein bemer­kens­wer­tes poli­ti­sches Signal der Finnen.

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