Nicht aufhören

Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein schönes Geburtstagsgeschenk für Emine Sevgi Özdamar
Ein schönes Geburtstagsgeschenk für Emine Sevgi Özdamar

Am heutigen Mittwoch wird Emine Sevgi Özdamar 76 Jahre alt. Und zum Geburtstag gibt es den Georg-Büchner-Preis. Die wichtigste Auszeichnung für Literatur hierzulande. Und eine der höchstdotierten: 50 000 Euro – davon kann man sich auf jeden Fall eine schöne Torte kaufen. Bei der ersten Verleihung gab es nur 3000 DM. Die gingen an Gottfried Benn. Ein guter Mann, gewiss, wenn auch politisch sehr unsympathisch, gelinde gesagt. Das war 1951. Im Kalten Krieg war die BRD-Moral immer rechts. Und deshalb verwundert es doch, dass in unseren heute angeblich so durchdifferenzierten Zeiten Emine Sevgi Özdamar erst die 12. Frau ist, die diesen Preis bekommt. Und nicht nur das: Sie ist die erste Preisträger*in, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen ist. Sie hat es im Goethe-Institut gelernt.

Aber sie möchte kein lebendes Integrationsprojekt sein. Sie ist Schriftstellerin und schreibt für die »Grenzenlosigkeit des Herzens«. In Deutschland leben übrigens 21,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund – das hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die den Preis im November in Darmstadt verleiht, jetzt also auch mal gemerkt.

Özdamar wurde in Ostanatolien geboren und kam zweimal nach Deutschland: 1965 als 18jährige nach Westberlin, um ein halbes Jahr in einer Elektrofabrik zu arbeiten. Und dann wieder 1975 in dieselbe Stadt. Zwischendurch hatte sie in Istanbul die Schauspielschule besucht. Von Westberlin pendelte sie dann nach Ostberlin, wo sie an der Volksbühne Assistentin des Brecht-Schülers Benno Besson war, vielleicht das letzte Genie des deutschen Theaters des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Und dann über Paris ab nach Bochum zu Claus Peymann und Thomas Brasch.

Aber hören wir auf, nur von Männern zu reden. Kann man alles in ihrer Autobiografie »Ein von Schatten begrenzter Raum« nachlesen. Fest steht: Özdamar ist das Ereignis. Denn es ist ein Traum, wie sie schreibt. Merkt man schon am Titel ihres Debütromans von 1992: »Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus«. Darin finden sich Sätze, die klingen wie Hitsingles, zum Beispiel der hier: »Ein großes Schiff war sehr nervös, es schrie und hörte nicht auf.«

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