Welche Bestattung ist am ökologischsten?

Dr. Schmidt über die Umweltbilanz von Beerdigungen

  • Von Ulrike Wagener / Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Welche Bestattung ist am ökologischsten?

Sag mal Steffen, wie willst du eigentlich mal bestattet werden?

Aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Urnengrab. Die einzige Frage ist noch, ob und wie es beschriftet wird.

Ich dachte auch immer, Feuerbestattung ist das Beste, weil platzsparend. Aber ökologisch ist das eigentlich Quatsch, oder?

Ach, ich weiß nicht, ob sich die verschiedenen Beerdigungsformen viel nehmen. Man weiß nicht, welche Teile aus nicht verrottbaren Materialien wir hinterlassen, die im Boden nicht so erwünscht sind. Ich habe sogar noch ein paar Amalgamplomben, was dann eher in die Richtung Giftmüll tendieren würde. Und insofern ist das wahrscheinlich im Krematorium mit entsprechender Rauchgasfilterung sogar besser. Was die Energiebilanz angeht, da ist natürlich eine Feuerbestattung eher schlecht.

Besonders jetzt mit den hohen Gaspreisen!

Das kommt noch hinzu.

Also meinst du, eine muslimische Bestattung, bei der man keinen Sarg braucht, wäre gar nicht ökologisch sinnvoller?

Jein. Natürlich spart es eine ganze Menge, weil du keinen Sarg brauchst. Andererseits, rein theoretisch bräuchtest du bei uns auch keinen. Einige christliche Orden lassen ihre Toten ja nach wie vor nicht im Sarg begraben und auch nicht feuerbestatten.

Stimmt.

Die christlichen Kirchen haben sich dem lange verweigert, was mir widersinnig vorkommt. Denn es gibt ja zumindest bei evangelischen Beisetzungen im Gebet die Formulierung »Asche zu Asche …

… Staub zu Staub«.

Genau. Aber von Asche wollten sie lange nichts wissen.

Warum eigentlich nicht?

Ich glaube, das liegt an der Vorstellung, dass am Ende aller Tage die Toten auferstehen und vor das Jüngste Gericht treten. Und da sollten sie sozusagen vollständig erscheinen.

Meine Oma hatte immer Angst, von Mäusen angeknabbert zu werden, dann ist man auch nicht mehr vollständig.

Tja, die Würmer hatte wahrscheinlich keiner auf dem Schirm. Aber wenn ich mir einen allmächtigen Gott vorstelle, dann sollte es dem eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten, aus beliebigen Bestandteilen wieder das Original zusammenzuheften.

Und wieso darf man in Deutschland die Asche nicht einfach verstreuen, wie man das in amerikanischen Filmen immer sieht?

Das weiß der Geier. Also, einen vernünftigen Grund konnte ich dafür noch nicht erkennen. Apropos Geier: Bei den Parsen in Indien gibt es sogenannte Himmelsbestattungen, da werden die Toten letztlich den Geiern überlassen.

Die können das Amalgam wahrscheinlich auch nicht verwerten.

Nee, das wäre noch ein Gift mehr. Denn die Geier dort sind eh schon dezimiert: Über den Umweg von mit Gelenkschmerzen kämpfenden Kühen hat ein gängiges Schmerzmittel seinen Weg in die Geier gefunden und behindert bei denen ganz massiv die Vermehrung. Damit ist diese Bestattungsform dann auch ziemlich passé.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal