Berlin-Charlottenburg: Winter ohne Heizung

Bei Heimstaden, am Kaiserdamm 21, gibt es seit Anfang Dezember keine Wärmeversorgung

  • David Rojas Kienzle
  • Lesedauer: 3 Min.

»An kalten Tagen ist selbst kochen kaum möglich«, so eine Mieterin vom Charlottenburger Kaiserdamm 21, die nicht namentlich genannt werden will zu »nd«. Teilweise sei die Temperatur in der Küche nicht über 10 Grad gestiegen. Die Ursache: Die Heizung ist kaputt, und das schon seit spätestens Anfang Dezember.

Auch andere Mieter*innen, die alle nicht namentlich genannt werden, erzählen von ähnlichen Problemen. Eine von ihnen etwa heizt ihre Küche teilweise mit dem Gasherd. »Wenn ich den Backofen anmache, wird es wärmer. Das mache ich immer kurzfristig, aber wegen dem Gas wird die Luft sehr schlecht.« Anfang Januar sei es in ihrer Wohnung in keinem Zimmer mehr über 17 Grad warm geworden. Mehrere Mieter*innen, mit denen »nd« sprechen konnte, haben die dauerhafte Kälte nicht mehr ausgehalten und sind bei Freund*innen untergekommen.

Eigentlich hätte die Heizung schon am 9. Januar repariert werden sollen. Deniz Demirel von der Firma DD Versorgungstechnik erläutert das Problem: Das kaputte Teil, ein Wärmetauscher, muss ersetzt werden. Der aktuell verbaute sei von 1984. Das 160 Kilogramm schwere Ersatzteil muss aber extra hergestellt werden. Man habe bereits Anfang Dezember den Auftrag gegeben, aber bisher sei nicht geliefert worden. Die Folge: Die Wärme, die über die Fernwärmeleitungen ankommt, erreicht die Heizkörper im Haus nicht.

Die Mieter*innen sind nicht nur wegen der Kälte in ihren Wohnungen verärgert, sondern auch über die mangelnde Kommunikation des Vermieters, der Heimstaden GmbH. Wenn man Heimstaden anschreibe, komme eine automatische Antwort, dass die Anfrage eingegangen sei, aber dabei bleibe es, so eine Mieterin zu »nd«. Ein andere Mieterin berichtet, dass ihr auf der Servicehotline nicht weitergeholfen werden konnte, weil die Mitarbeiter*innen keine Ahnung vom Haus hätten.

Etwas Abhilfe gab es aber vom Vermieter: Heimstaden hat telefonisch zugesagt, dass die betroffenen Mieter*innen für bis zu 80 Euro einen Radiator kaufen könnten, der bezahlt werde. »Das ist besser, aber immer noch kalt«, so ein Mieter. Zwei Grad mehr könne man mit den kleinen Elektroheizungen erreichen, aber immer nur in einem Zimmer. Eine Notlösung, aber eine richtige Heizung wäre natürlich besser. Auf Anfrage von »nd« bestätigte Heimstaden das Angebot. Pro Wohnung seien 80 Euro für einen Radiator freigegeben worden, bei Mehrbedarf erfolge eine Einzelfallprüfung, insbesondere mit Blick auf die Wohnungsgröße. »Außerdem werden die Stromkosten in Abstimmung mit dem Propertymanagement von Heimstaden bei der späteren Berechnung einer Mietminderung für die betroffenen Wohnungen jeweils pauschal berücksichtigt«, so ein Sprecher des Unternehmens zu »nd«.

Nach Auskunft von Heimstaden wird der neue Wärmetauscher in der nächsten Woche eintreffen. »Sobald er da ist, bauen wir den ein«, so Demirel von DD Versorgungstechnik zu »nd«. Bis dahin werden die Mieter*innen wohl oder übel mit der Kälte umgehen müssen, ob mit Decken, Radiatoren oder dem Gasherd. »Wir wissen uns zu helfen, aber angenehm ist das nicht«, fasst eine der Betroffenen die Situation zusammen.

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