Erste Kampfdrohne über Norddeutschland

Die israelische Militärdrohne »Heron TP« darf auch im zivilen Luftraum fliegen

Am 12. April 2005 entschied der damals amtierende Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), den Luftwaffenstützpunkt Jagel zwischen Kiel und Flensburg für große Militärdrohnen auszubauen, bis heute hat die Bundeswehr dazu einen dreistelligen Millionenbetrag ausgegeben. Zehn Jahre später sollte die Spionagedrohne »Eurohawk« dort heimisch werden, das gesamte Vorhaben wurde jedoch mangels Flugerlaubnis abgebrochen.

Noch einmal zehn Jahre später wird nun die erste Langstreckendrohne auf dem Fliegerhorst stationiert: Am Mittwoch startete eine »Heron TP« zum Erstflug. Erst vor einer Woche hat das Luftfahrtamt der Bundeswehr die Verkehrszulassung für das System erteilt.

Die mit zwei Propellern angetriebene »Heron TP« stammt von Israel Aerospace Industries (IAI), Israels größtem Luft- und Raumfahrtkonzern. Schon ab 2010 flog die Bundeswehr mit IAI-Drohnen in Afghanistan und später in Mali. Anders als das Vorgängermodell kann die »Heron TP« aber mit Raketen und Lenkbomben bestückt werden. Um diese Bewaffnung hatte es in Deutschland eine fast zehnjährige »Drohnendebatte« gegeben, die 2022 schließlich mit einem »Ja« zur Beschaffung endete. Die Flüge in Deutschland sollen aber ohne Bewaffnung stattfinden, sagt das Verteidigungsministerium.

Bei der Stationierung der ersten von insgesamt fünf »Heron TP« soll es sich um einen sechsmonatigen »Demonstrationsflugbetrieb« handeln, der aller Voraussicht nach verlängert wird. Das Pilotprojekt trägt den Titel »Landes- und Bündnisverteidigung«. Die Luftwaffe will mit den Drohnen die Ausbildung ergänzen, die bislang ausschließlich in Israel stattfindet. Zwei Trainingsdrohnen hatte die Bundeswehr nach dem 7. Oktober an das israelische Militär zurückgegeben.

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Die »Heron TP« darf über Norddeutschland mit zivilen und militärischen Flugzeugen im kontrollierten Luftraum verkehren. Diese Erlaubnis ist europaweit fast einmalig: Bislang dürfen sich IAI-Drohnen außer in Israel nur in Griechenland den Luftraum mit zivilen Flugzeugen teilen. Die Luftwaffe will noch weitergehen und nach der »Anfangsphase« auch grenzübergreifende Flüge mit der Kampfdrohne vornehmen. Eine derartige Kooperation gibt es bislang nur zwischen Frankreich und Spanien, wo das Militär mit dem US-Konkurrenzmodell »Predator« fliegt.

Hauptauftragnehmer für die aus Israel geleasten Drohnen der deutschen Luftwaffe ist die Rüstungssparte von Airbus. Der Konzern mit Sitz in Bremen übernimmt auch Reparaturen und Wartungsarbeiten und darf die Drohnen dafür regelmäßig probefliegen. Bereits vor dem offiziellen Erstflug hat Airbus am 8. Mai einen solchen Testflug absolviert.

Die Luftwaffe betont, der unbemannte sei nicht gefährlicher als der bemannte Flugbetrieb. Im Falle eines »Verbindungsabrisses« werde der dafür vorprogrammierte Flug »dauerhaft beobachtet«. Trotzdem kann es dabei zu einem Absturz oder einer »harten Landung« kommen, bei der das Luftfahrzeug zerstört wird. In Griechenland ist bereits eine IAI-Drohne, die Airbus für die Grenzagentur Frontex flog, ins Meer gestürzt. Ein ähnliches Modell aus Israel war zuvor auf Kreta auf der Landebahn gecrasht.

Als Hauptaufgabe der deutschen »Heron TP« gilt die »abbildende Aufklärung« mit verschiedenen Kamera- und Radarsystemen. Die Drohne soll beispielsweise Konvois oder Schiffe begleiten. Dazu kann sie bis zu 27 Stunden in der Luft bleiben. Möglich sind aber auch Einsätze im Inland, etwa zur Unterstützung der Polizei bei Großlagen. So hatte etwa das Tornado-Geschwader »Immelmann«, das ebenfalls in Jagel stationiert ist, Aufklärungsflüge über einem Protestcamp sowie möglichen Blockadestrecken beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm durchgeführt.

Die Gesamtkosten für die fünf Kampfdrohnen samt Bodenstationen und Satellitensystemen hatte das Verteidigungsministerium mit 717 Millionen Euro angegeben. 176 Millionen Euro zahlt die Bundeswehr für die Stationierung und Ausbildung in Israel. Eine erste Verlegung in ein Einsatzgebiet soll weitere 100 Millionen Euro kosten, hinzu kommen 43 Millionen Euro für zunächst 140 Raketen.

Auch die »Heron TP« gilt bei der Luftwaffe nur als Zwischenlösung bis zur Einführung der »Eurodrohne« ab 2030. Dieses System wird auch von Airbus entwickelt und soll mehrere EU-Staaten mit unbemannten Fähigkeiten versorgen. 21 deutsche »Eurodrohnen« werden den Plänen zufolge ebenfalls in Jagel stationiert. Das Gesamtprojekt kostet mindestens 7,6 Milliarden Euro, auf Deutschland entfällt die Hälfte dieser Summe.

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