Gerhard Trabert mit Kritik an der Linken: Eine Chance vertan

Scharfe Kritik des Europakandidaten an der Wahlkampfleitung der Linken

Da war die linke Wahlkampfwelt noch in Ordnung: Europa-Spitzenquartett Martin Schirdewan, Carola Rackete, Özlem Demirel und Gerhard Trabert (von links) auf dem Europaparteitag der Linken im November 2023 in Augsburg
Da war die linke Wahlkampfwelt noch in Ordnung: Europa-Spitzenquartett Martin Schirdewan, Carola Rackete, Özlem Demirel und Gerhard Trabert (von links) auf dem Europaparteitag der Linken im November 2023 in Augsburg

»Ich werde meinen Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit außerhalb von Parteien, von Parteipolitik, von parteilichen Machtkämpfen fortsetzen.« Das ist das Fazit des Linke-Kandidaten Gerhard Trabert, der bei der Europawahl auf Platz vier kandidiert und damit ein Mandat knapp verpasst hatte. Es ist der Abschluss einer Einschätzung des Wahlkampfs, die »nd« vorliegt, und liest sich wie eine Absage an Die Linke, für die er bereits bei der Wahl des Bundespräsidenten 2022 als Kandidat ins Rennen gegangen war.

Bei der EU-Wahl gehörte der als Arzt der Armen bekannt gewordene Mediziner aus Mainz zum Spitzenquartett der Linken, neben Parteichef Martin Schirdewan, der Flüchtlingsaktivistin Carola Rackete – wie Trabert parteilos – und der Europapolitikerin Özlem Demirel. Die Linke erzielte mit 2,7 Prozent das schlechteste Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl seit 1990. Er sei erschüttert vom Rechtsruck bei der Wahl, schreibt Trabert. Besonders betroffen mache ihn, »dass fast ausschließlich Parteien, die sich diskriminierend und stigmatisierend zu geflüchteten Menschen und Bürgergeldbeziehern geäußert haben … die stärksten Gewinne verzeichneten«, vor allem AfD, CDU/CSU und BSW.

nd.DieWoche – unser wöchentlicher Newsletter

Mit unserem wöchentlichen Newsletter nd.DieWoche schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die Highlights unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. Hier das kostenlose Abo holen.

Seine Enttäuschung über den Wahlkampf der Linken bezieht sich darauf, dass er »Inkompetenz, Arroganz und Respektlosigkeit« gegenüber sich selbst und anderen Kandidaten wahrgenommen habe. So sei der Wahlkampf vom ausdrücklich so gewählten Vierer-Spitzenteam immer stärker auf ein Spitzenduo Schirdewan/Rackete reduziert worden. Kritiken und Anregungen seien oft »arrogant behandelt und nie wirklich berücksichtigt« worden, »jedenfalls habe ich da nichts wahrgenommen«.

Trabert, der auf dem Wahlparteitag im November das beste Ergebnis der vier Spitzenkandidaten erzielt hatte, spricht von einer Geringschätzung seines sozialen Engagements. Damit hätten die Wahlkampfverantwortlichen eine Chance, soziale Themen »kompetent und authentisch zu kommunizieren, in weiten Teilen versäumt oder sogar verhindert«. Dies sei auch respektlos gegenüber all jenen, »für die ich quasi als Lobbyist antrete«. Er sei »oft an einem Punkt angelangt, meine Kandidatur zurückzuziehen«. Davon abgehalten hätten ihn nicht zuletzt positive Erfahrungen mit Orts-, Kreis- und Landesverbänden der Linken.

Er werde weiter seinen »Weg der Solidarität mit benachteiligten Menschen« gehen, so Trabert. So will er im Juli im Rahmen der neuen Seenotrettungsaktion Sarah helfen, »Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer zu retten. Ich spüre immer mehr, dort ist mein Platz!«

App »nd.Digital«

In der neuen App »nd.Digital« lesen Sie alle Ausgaben des »nd« ganz bequem online und offline. Die App ist frei von Werbung und ohne Tracking. Sie ist verfügbar für iOS (zum Download im Apple-Store), Android (zum Download im Google Play Store) und als Web-Version im Browser (zur Web-Version). Weitere Hinweise und FAQs auf dasnd.de/digital.

Das beste Mittel gegen Fake-News und Rechte Propaganda: Journalismus von links!

In einer Zeit, in der soziale Medien und Konzernmedien die Informationslandschaft dominieren, rechte Hassprediger und Fake-News versuchen Parallelrealitäten zu etablieren, wird unabhängiger und kritischer Journalismus immer wichtiger.

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Vielen Dank!

Unterstützen über:
  • PayPal