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Legale Bengalos für den Überstundenabbau
Christoph Ruf hat einen Vorschlag, wie die Sicherheit im Fußballstadion wirklich erhöht wird
Die Debatte um Sicherheit im Fußballstadion nimmt Jahr für Jahr irrationalere Züge an. Derzeit tun Fans und Vereine so, als sei Fußballgewalt eine reine Erfindung der Politik. Während die den Eindruck erweckt, als ob mit personalisierten Tickets und mehr Stadionverboten irgendein Problem gelöst wäre. Anders gesagt: Fußballgewalt gibt es. Nur nicht da, wo sie die Politik verortet: im Stadion. Sondern dort, wo Frankfurter Fans zuletzt solche aus Stuttgart verprügelten: an Raststätten. Oder dort, wo Rostocker und Essener Fans sich zum Zugüberfall verabredeten: auf freier Strecke.
Nun wissen natürlich auch die Innenpolitiker, dass es selbst in ihren erregendsten Träumen nicht möglich ist, jeden Feldweg zu überwachen. Warum sie sich stattdessen an einer Stadiongewalt abarbeiten, die es ausweislich aller Statistiken nicht gibt? »Populismus«, wie die Fans sagen, trifft es durchaus. Doch es geht auch um eine reale Sorge: die hohen Polizeieinsatzstunden. Umso merkwürdiger, dass sich die Politik dann nicht an den eigentlichen Grund heranwagt, warum an jedem Spieltag tausende Polizisten mit Hightech-Kameras herumhantieren. Nicht, um Gewalttaten zu verhindern, sondern um Pyrotechnik aufzuspüren. Ein Vorschlag: Wenn Böller detonieren, entsolidarisieren sich die Ultras künftig vom Täter, der dann hart bestraft wird. Dafür werden verantwortungsvoll abgebrannte Bengalos – schon jetzt 99 Prozent aller »Pyro-Vorfälle« – legalisiert. Die Politik hätte Millionen gespart. Und die Polizei könnte am Wochenende endlich Überstunden abbauen.
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