Tsipras veranlasst Rücktritt von ANEL-Staatssekretär

Dimitris Kammenos hatte wegen rechter Internet-Kommentare Empörung ausgelöst / Premier machte von Brüssel aus auf Koalitionspartner Druck

Berlin. Nach heftiger Kritik an seiner Berufung ist der griechische Infrastruktur-Staatssekretär Dimitris Kammenos nur wenige Stunden nach seiner Vereidigung am späten Mittwochabend bereits wieder zurücktreten. Der Politiker der nationalistischen ANEL war schon mehrfach wegen antisemitischer und anderer rechter Kommentare in Sozialen Netzwerken in die Kritik geraten, seine Bestallung zum Staatssekretär hatte eine neue Welle der Empörung ausgelöst.

Wie aus Regierungskreisen verlautete, hatte Premier Alexis Tsipras am Mittwoch vom EU-Sondergipfel in Brüssel aus den Vorsitzenden der ANEL, Panos Kammenos, angerufen, um den Rücktritt von dessen Namensvetter zu veranlassen. Der 49-Jährige erklärte daraufhin, er wolle mit seiner Demission »das gute Funktionieren der neuen Regierung« sicherstellen. Kammenos wird durch den ANEL-Abgeordneten Panagiotis Sgouridis ersetzt.

Dimitris Kammenos, der nicht mit dem ANEL-Vorsitzenden verwandt ist, zog unter anderem scharfe Kritik auf sich, als er im Juni 2015 ein retuschiertes Foto des Eingangs zum Vernichtungslager Auschwitz postete, auf dem statt des Schriftzuges »Arbeit macht frei« die griechischen Worte »Wir bleiben in Europa« zu sehen waren. Der Slogan war auch auf Demonstrationen von Kritikern der ersten SYRIZA-Regierung verwandt worden. Die Jüdischen gemeinden in Griechenland KIS sprachen damals von einer beschämenden Entgleisung, die den Holocaust auf scheußliche Weise trivialisiere.

Die Wochenzeitung »To Vima« hatte zudem berichtet, Kammenos habe die Homosexuellen-Kundgebung Gay Pride in Athen im Juni als »erbärmlich« bezeichnet. Kammenos erklärte, seine Facebook-Seite sei nicht von ihm selbst, sondern von seinen Mitarbeitern betrieben und überdies mehrfach gehackt worden. Wie der griechische Rundfunk am Donnerstag weiter berichtete, hat Dimitris Kammenos auch andere Vorwürfe zurückgewiesen und behauptet, sein Twitter-Konto sei ebenfalls gehackt worden. Er wolle deshalb auch Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Agenturen/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung