Tagesstreiks, die wehtun

IG Metall entscheidet am Freitag über härtere Gangart im Tarifkonflikt

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dem Abbruch der vierten Runde der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie will der Vorstand der Industriegewerkschaft (IG) Metall am Freitag entscheiden, ob es nun zu der angedrohten Eskalation des Konflikts kommen wird. In der Branche könnte es dann von der kommenden Woche an erstmals ganztägige Warnstreiks geben. Am späten Mittwochabend waren im Pilotbezirk Baden-Württemberg die Gespräche ohne Ergebnis beendet worden. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger warf den Arbeitgebern vor, in vielen Fällen eine Rolle rückwärts gemacht zu haben. »Wir haben zu allen strittigen Punkten Kompromissangebote vorgelegt und haben alles getan, um nicht in die Phase der Eskalation zu kommen«, so Zitzelsberger. In den entscheidenden Arbeitszeitfragen hätten die Arbeitgeber jedoch alle bisherigen relevanten Teilergebnisse zurückgenommen.

Knackpunkt der diesjährigen Tarifrunde ist nicht die Lohnforderung von sechs Prozent - wobei die Arbeitgeberseite auch hier bislang nur magere zwei Prozent angeboten hat -, sondern die Forderung der Gewerkschaft nach einem verbrieften Recht auf befristete Teilzeit samt Entgeltzuschuss für bestimmte Gruppen. Insbesondere den finanziellen Teilausgleich lehnt die Arbeitgeberseite vehement ab. An welchen Details genau kein Fortkommen war, wollten die Tarifparteien nicht sagen. Die IG Metall in Baden-Württemberg wäre offenbar zu einigen Abstrichen bereit. So hatte sie etwa für den Entgeltzuschuss »Alternativen« vorgeschlagen, zudem deutete sich ein Entgegenkommen auch bei der Ausweitung der Wochenarbeitszeit nach oben an. Die Arbeitgeber wollen mehr Beschäftigte über 35 Stunden pro Woche hinaus arbeiten lassen können. Bislang gilt dafür eine Quote von 18 Prozent.

Doch den Arbeitgebern gingen die Zugeständnisse noch nicht weit genug. Die IG Metall habe in einzelnen Fragen auf ihren Maximalpositionen beharrt, erklärte Stefan Wolf, Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. »Für uns war das Preisschild zu hoch.«

Am Donnerstag trafen sich die regionalen Tarifkommissionen der Gewerkschaft bundesweit, um die weiteren Schritte zu beraten. Konkrete Ergebnisse sollte es aber voraussichtlich erst nach der Sitzung des IG-Metall-Vorstands am Freitag in Frankfurt geben. Im Raum steht eine Entscheidung für 24-Stunden-Warnstreiks. Dieses Druckmittel hat sich die Gewerkschaft erst 2015 neu gegeben und seither noch nie erprobt.

Im Unterschied zu unbefristeten Streiks ist dafür keine Urabstimmung aller Mitglieder eines Bezirks nötig, sondern nur eine Abstimmung innerhalb eines Betriebs. Die gute Beteiligung an den Warnstreiks seit Jahresbeginn - bundesweit nahmen bislang mehr als 900 000 Beschäftigte teil - zeigt an, dass die Motivation in den Belegschaften hoch ist. Viele finden, es sei an der Zeit, »mal wieder richtig zu streiken«, schon deshalb, weil die Generation mit Streikerfahrung sich langsam in die Rente verabschiedet.

Anders als bei den stundenweisen Warnstreiks der letzten Wochen würde die IG Metall für die neue Form des Arbeitskampfes in die Streikkasse greifen. Das heißt, sie übernimmt einen Großteil des Lohnausfalls, den Beschäftigte durch ihren Arbeitsausstand haben.

Die Unternehmen werden rechnen müssen, wie viel Ausfall sie sich leisten wollen. Die Auftragsbücher sind voll - liegt die Produktion einen ganzen Tag lahm, wird es schmerzhaft.

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