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  • Klinikpersonal im Ausstand

Vivantes ignoriert Streik bei Tochter-Unternehmen

Weil es bislang kein Angebot des Arbeitgebers gibt, könnte sich der Ausstand noch einige Wochen hinziehen

  • Von Wladek Flakin
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Freitag versammelten sich rund 60 Streikende vor dem Roten Rathaus. Einige sprangen in den Neptunbrunnen. Auf einem Schild steht: »Vivantes lässt seine Mitarbeiter im Wasser stehen.« Neben einer Solidaritätsbekundung für die Feuerwehrleute, die seit Wochen ebenfalls an dieser Stelle protestieren, geht es den Beschäftigten der Vivantes-Tochter natürlich auch um ihre eigenen Forderungen an den Senat.

Der Streik beim kommunalen Krankenhauskonzern Vivantes zeigt unterdessen Wirkung. Ein heimlich angefertigtes Foto zeigt die Planungstabelle für die Operationssäle im Krankenhaus Neukölln. Wo normalerweise viele Eingriffe angekündigt werden, steht bei zwölf Sälen lapidar: »Nur Notfälle«. Das heißt wohl: Zahlreiche Operationen mussten abgesagt werden.

Seit zehn Tagen streiken die Beschäftigten der Vivantes Service GmbH (VSG), einer hundertprozentigen Tochterfirma des Vivantes-Konzerns, der wiederum dem Land Berlin gehört. Die VSG ist für die gesamte Infrastruktur im Krankenhaus zuständig: Transport, Textilreinigung, Patientenbegleitung und zahlreiche andere Aufgaben.

Diese Tätigkeiten gelten als »nicht-patientennah«, sind dennoch für die medizinische Arbeit unverzichtbar. Besonders wichtig für den Streik ist die Sterilisation. An drei Standorten der Vivantes-Tochter in Friedrichshain, Neukölln und Spandau, wo die Streikbeteiligung am höchsten ist, werden die Instrumente für alle neun Vivantes-Krankenhäuser gereinigt. Mangels sauberer Instrumente können Ärzte und Pflegekräfte ihre Arbeit nicht erledigen. »Keiner weiß, wo wir überhaupt sind«, sagt Holger Steinmetz, der seit drei Jahren als Sterilisationsassistent im Klinikum Friedrichshain arbeitet. Von den 900 Beschäftigten bei der VSG haben etwa 600 einen alten Arbeitsvertrag mit Vivantes und werden nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt. Steinmetz gehört zu den 300 ohne Tarifvertrag. Er verdient bis zu 1000 Euro weniger als seine Kollegen, »obwohl wir die gleiche Arbeit machen«, wie er betont. Mitarbeiter mit TVöD-Verträgen bekommen auch höhere Zuschläge und mehr Urlaub. »Wir müssen viele Nacht- und Wochenendschichten arbeiten, um über die Runden zu kommen«, so Steinmetz.

Jetzt wird die Sterilisation nur durch einen Notdienst aufrechterhalten, der zwischen Vivantes und der Gewerkschaft ver.di vereinbart wurde. Beschäftigte, die im Notdienst arbeiten, berichten allerdings, dass in der letzten Woche Mitarbeiter aus der Verwaltung und sogar aus der Geschäftsführung in der Sterilisation mit anpacken mussten.

»Neben Standard-Besteck aus Chirurgie oder Neurologie müssen wir auch Endoskope, OP-Roboterarme und Inkubatoren aufbereiten«, sagt Juliane Hielscher, die in Neukölln arbeitet. Sterilisiert wird mit Gas, Plasma, Dampf - alles Tätigkeiten, bei denen Ungeschulte nicht schnell einspringen können. Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will, regt sich über »unqualifiziertes Personal« auf. »Vivantes spielt mit der Gesundheit der Berliner Bürger!« Auf eine Anfrage des »nd« hieß es von Vivantes: »Bestimmte Tätigkeiten in der Sterilisation von Medizinprodukten können unter Anleitung auch durch andere Mitarbeiter erbracht werden.«

Eine Sprecherin von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte »nd«, dass sie die Tarifverhandlungen nicht kommentieren könnte - dabei sitzt Kollatz-Ahnen persönlich im Aufsichtsrat des landeseigenen Konzerns. Der rot-rot-grüne Senat hatte beim Amtsantritt versprochen, die Löhne in den Tochterunternehmen »zügig« an den TVöD anzugleichen.

Vivantes nennt die Zahlung von TVöD-Löhnen für die restlichen VSG-Beschäftigten »nicht finanzierbar«. Dabei hat der Konzern jüngst erklärt, dass er im 2017 Gewinn gemacht hat: nämlich 15 Millionen Euro.

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