Im Abseits

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Frankreichs Regierung hat am Freitag dementiert, was die venezolanische Regierung mit Vehemenz behauptet: dass sich Juan Guaidó in die französische Botschaft in Caracas geflüchtet hat. Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident, der von fast 60 Staaten anerkannt wird, von den USA, aber auch nach wie vor von der Europäischen Union und Deutschland, ist seit geraumer Zeit auf dem absteigenden Ast. Sollte sich die Flucht in die Botschaft als Fakt herausstellen, wird ihm das auch die zerstrittene venezolanische Opposition übel nehmen.

Guaidó hatte Anfang 2019 die Hoffnung geschürt, die Macht sei für ihn zum Greifen nah und Präsident Nicolás Maduro werde wegen der internationalen Unterstützung gewichtiger Länder für ihn zurücktreten. Er irrte sich, auch darin, dass sich die Armee auf seine Seite schlagen werde. Seit er den 23. Februar 2019 - symbolisch aufgeladen, da am 23. Februar 1958 die Diktatur von Marcos Pérez Jiménez gestürzt wurde -, implizit zum Tag der Entscheidung erklärt hatte, ist Guaidó auf dem Weg nach unten. Denn sein Versprechen, dass an diesem Tag tonnenweise Hilfsgüter über die kolumbianisch-venezolanische Grenze kämen, hat er nicht gehalten.

Der 36-jährige Shootingstar der venezolanischen Opposition, der 2016 für die rechte Partei Voluntad Popular ins Parlament einzog, musste zuletzt Rückschlag um Rückschlag hinnehmen. Am 3. und 4. Mai hatten venezolanische Sicherheitskräfte zwei Versuche vereitelt, Söldner an Land zu bringen, die mit Billigung der USA und im Auftrag Juan Guaidós die Regierung Maduro stürzen sollten. Präsident Maduro hatte zuletzt behauptet, Guaidó befinde sich »auf der Flucht vor der Justiz« - obwohl es keinen offiziellen Haftbefehl gegen ihn gibt. Guaidó äußerte sich selbst auf Twitter zu den Aussagen, dass er sich versteckt halte: Er bezichtigte Maduro und dessen Regierung der Lüge. Er sei »beim Volk«, schrieb der Oppositionsführer. In der französischen Botschaft befindet sich das nicht. Wo er genau steckt, hat er nicht verraten. Martin Ling

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