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Bildungsminister machen Druck

Impfgipfel berät über Kinder und die Frage der Auffrischung

Es geht voran: 45,4 Millionen Dosen Covid-19-Impfstoff sind in der Bundesrepublik bisher in Zentren, Arztpraxen oder mobil in Pflegeheimen oder ärmeren Großstadtvierteln verabreicht worden. Zahlen, von denen die meisten Länder der Welt nur träumen können. Vollständig geimpft wurden aber nur 14,3 Prozent der Bundesbürger. Herdenschutz ist also noch ein fernes Ziel, auch wenn sich erste Erfolge an den seit Januar spürbar gesunkenen Todesfällen und Intensivbettenbelegungen feststellen lassen.

Da noch immer manches nicht rund läuft und es diverse offene Fragen gibt, lädt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag wieder mal ihre relevanten Minister und die Ministerpräsidenten der Länder zu einem Impfgipfel. Die Situation ist gegenüber früheren Treffen nicht nur wegen des mittlerweile hohen Tempos besser, sondern auch, weil die nächsten Monate gut planbar sind. Mit den Lieferungen der Hersteller läuft es inzwischen reibungslos. Außerdem sortiert die EU-Kommission demnächst Astra-Zeneca aus und setzt noch stärker auf den deutschen mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer, mit denen erst kürzlich ein weiterer Vertrag über die Lieferung von bis zu 1,8 Milliarden Dosen vereinbart wurde.

Die akute Frage des Verteilschlüssels zwischen den Bundesländern wird die Runde bei Merkel daher wohl kurz beschäftigen, auch wenn wegen der großen Nachfrage alle gerne mehr hätten. Daher rücken mittelfristig wichtige Themen in den Vordergrund, etwa die Frage möglicher Auffrischungsimpfungen. Bei drei der vier bisher zugelassenen Vakzine werden bekanntlich zwei Dosen verabreicht, bei einem nur eine. Experten halten es für möglich, dass die Immunisierung auch wegen des Auftretens neuer Virusmutanten nicht von Dauer ist und irgendwann ein weiterer Piks notwendig wird, vielleicht sechs Monate später. »Wenn mit Nachimpfungen begonnen werden muss, dann mit Sicherheit wieder bei der älteren Bevölkerung«, sagt Merkel. »Aber ich sehe vor dem Herbst diese Aufgabe nicht auf uns zukommen.« Vorerst liege die Konzentration darauf, möglichst viele noch nicht geimpfte Menschen zu impfen.

Dennoch drängen insbesondere die Kultusminister der Länder, aber auch Kommunalvertreter, auf einen weiteren eher fernen Punkt: Sie möchten spätestens nach den Sommerferien wieder dauerhaft zu Schulunterricht wie vor Corona übergehen. Also sollen auch Kinder rasch geimpft werden. Bisher sind Impfstoffe erst ab 16 zugelassen. Allerdings hat Biontech eine Zulassung ab 12 Jahren beantragt, mit einer Entscheidung der EU-Behörde EMA wird demnächst gerechnet. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) appellierte im Vorfeld des Treffens an die Länder, Impfkampagnen für Schüler schon konkret vorzubereiten. So sei klassenweises Impfen denkbar.

Das Ansinnen ist unter Experten freilich nicht unumstritten. Kinder erkranken bei einer Sars-CoV-2-Infektion extrem selten schwer. Mediziner raten daher, gezielt Kinder mit Vorerkrankungen zu impfen. Auch die Überlegung, die Kleinen zu immunisieren, um dadurch Ältere zu schützen, verliert zunehmend an Relevanz: durch den raschen Fortschritt der Impfkampagne bei den Erwachsenen.

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