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Beherzt

Marcus Grotian kümmert sich um Visa und Schutz für afghanische Ortskräfte der Bundeswehr.

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.

Sechs Jahre lang hat Marcus Grotian im Stillen gewirkt. Im 2015 gegründeten Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte engagiert sich der Hauptmann der Bundeswehr ehrenamtlich dafür, dass Menschen, die in Afghanistan als Dolmetscherinnen, Köche oder in anderen Funktionen für die deutsche Armee gearbeitet haben, in die Bundesrepublik kommen und sich hier eine Existenz aufbauen können. Denn schon lange stellt die Tatsache, für eine fremde Macht gearbeitet zu haben, für Afghan*innen eine große Gefahr dar. Viele von ihnen sind von Taliban oder anderen Kämpfern ermordet worden, oft auch Angehörige von ihnen.

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Der deutsche Staat entzieht sich seit Jahren seiner Verantwortung für diese Menschen. Nicht so Grotian und seine Mitstreiter*innen, die für Ortskräfte auch Schutzräume in Kabul angemietet hatten, die sie vor einigen Tagen räumen ließen, gerade noch rechtzeitig. Seit Anfang dieser Woche ist der 44-Jährige einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Im Interview mit dem Heute-Journal sagte er, viele ehemalige Kameraden säßen nach dem Sieg der Taliban »in der Todesfalle«. Insgesamt betreffe das rund 7000 Menschen und deren Familien. Am Dienstagabend sprach Grotian dann in einem zweieinhalbstündigen, auf dem Youtube-Kanal »Jung und naiv« ausgestrahlten Interview mit dem früheren ARD-Journalisten Hans Jessen über seine Erfahrungen. Und brachte seine ganze Empörung über den Umgang des Heeres mit seinem Personal in Afghanistan zum Ausdruck. Auf die Frage, ob er für seine öffentlichen Aussagen auch »unehrenhaft entlassen« werden könne, sagte der Soldat: »Nee, nur ehrenhaft! Dafür gehe ich gern, ich bitte darum!« Er sei für jede seiner Aussagen bereit, »Maßregelungen hinzunehmen« - und sie vor Gericht zu wiederholen. Für ihn sei das Verhalten von Bundeswehr und deutschem Staat nicht nur »moralisch ein Totalversagen«, sondern auch »strategisch total dämlich«. Chapeau!

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