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Im Aufwärtstrend

Die deutschen Fußballer und ihre Fans kommen beim 4:0 in Island auf ihre Kosten

  • Von Matthias Koch, Reykjavik
  • Lesedauer: 4 Min.
Die neue Abwehr des DFB-Teams um Antonio Rüdiger (o.) steht. Er traf zudem gegen Island nach einem Freistoß per Kopf zum 2:0.
Die neue Abwehr des DFB-Teams um Antonio Rüdiger (o.) steht. Er traf zudem gegen Island nach einem Freistoß per Kopf zum 2:0.

In der Schlussphase wurde die DFB-Elf beim WM-Qualifikationsspiel in Island nassgemacht. Aber nur vom feinen Nieselregen über Reykjavik im Stadion Laugardalsvöllur, wo die Nationalelf des Inselstaats ihre Heimspiele austrägt. Auf der roten Anzeigetafel prangte die sportliche Wahrheit - ein 0:4 als Endresultat. Die längst nicht mehr so stark wie bei der EM 2016 auftretenden Gastgeber ließen sich nach dem Abpfiff kurz bei ihrem treuen und trotz der deutlichen Abfuhr artig applaudierenden Anhang blicken. Die berühmten »Hu«-Anfeuerungsrufe der isländischen Fans hallten aber nicht mehr allzu oft durchs Satdion

Deutschland hatte durch Treffer von Serge Gnabry und Antonio Rüdiger schon nach 24 Minuten mit zwei Treffern in Front gelegen. Nach der Pause konnten die Angreifer Leroy Sane und Tobias Werner die Führung noch weiter erhöhen. Angesichts weiterer ausgelassener Großchancen fiel der Sieg aus deutscher Sicht sogar eher mickrig aus. »Es war wichtig, dass wir früh ein Zeichen gesetzt haben. Wir waren sehr dominant«, sagte Torwart Manuel Neuer. »In diesen drei Spielen haben wir schon gesehen, dass es einen Aufwärtstrend gibt. Wir wollen so weitermachen.«

Das wäre sicher im Sinne von Bundestrainer Hansi Flick, der nach dem Ende der Ära seines Vorgängers Joachim Löw die Nationalelf erstmals um sich geschart hatte. Eingebettet in das gegenseitige Kennenlernen waren die drei Qualifikations-Begegnungen gegen Liechtenstein (2:0) in St. Gallen, Armenien (6:0) in Stuttgart und jenes 4:0 am Mittwochabend in Island. Drei Siege und 12:0 Tore stehen trotz des schwachen Auftritts gegen Liechtenstein für einen gelungenen Neustart. »Wir haben neun Punkte geholt, das war unser Ziel. Die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, ist ein Schritt nach vorne«, erklärte Flick. »Ich bin rundum zufrieden. Der finale Pass und die Überzeugung, das Tor machen zu wollen, haben aber manchmal gefehlt.«

Flick setzt augenscheinlich auf eine Verjüngung des Teams. Verteidiger Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain holte er ins Auswahlteam zurück. Der Ex-Schalker stand bei allen drei Partien in der Startelf. Die Offensivspieler Jamal Musiala (FC Bayern) und Florian Wirtz (Leverkusen) bekamen stets ihre Spielzeit von der Bank. Flick verhalf mit Wirtz, David Raum (Bielefeld) und Karim Adeyemi (Salzburg) gleich drei U21-Europameistern von 2021 zum Nationalelfdebüt.

Die Jugend bekommt aber keinen Freibrief. Zwei weitere U21-Euoropameister waren zwar dabei, aber noch nicht voll mittendrin. Der Wolfsburger Verteidiger Ridle Baku spielte zwar gegen Liechtenstein. Vor der Reise nach Island wurde er jedoch aus dem Kader gestrichen, weil dieser auf 20 Planstellen reduziert werden musste. Verteidiger Nico Schlotterbeck, der nach einjähriger Ausleihe an den 1. FC Union Berlin zum SC Freiburg zurückgekehrt ist, stand erstmals im Aufgebot. Zum Einsatz kam er jedoch gar nicht.

Bei den bereits etablierten Akteuren Sane und Werner half Flick insofern nach, als dass er sie mit Einsatzzeiten stützte. So konnte der in München bisweilen unglücklich agierende Sane bei der Nationalelf Selbstvertrauen für die Klubaufgaben tanken. Werner durfte auch gegen Island durchspielen, obwohl er erneut einige Torgelegenheiten ausgelassen hatte. So kam er kurz vor Ende der regulären Spielzeit doch noch zu einem Treffer.

Neben Co-Trainer Marcus Sorg hat Flick einige neue Assistenten eingestellt. An ihre Namen - Andreas Kronenberg, Danny Röhl und Mads Buttgereit - müssen sich die Fans sicher noch gewöhnen. Aber wenn häufiger wie beim Kopfballtor zum 2:0 durch Rüdiger ein Freistoß von Joshua Kimmich zum Treffer führt, kann das beispielsweise im Fall des Dänen Buttgereit zu schneller Bekanntheit führen. Der wurde schließlich speziell für Standardsituationen engagiert.

Auf erfolgreiche Ecken und Freistöße warten die deutschen Fans schon lange. Unter den 3600 Zuschauern in Reykjavik hatten sie fast die Hälfte gestellt. Offiziell waren wegen Corona keine Gästeanhänger zugelassen. Doch überraschend viele reiselustige Deutsche hatten sich über den isländischen Verband mit Tickets eingedeckt. Und für jene, die keins mehr bekommen hatten, bot sich dennoch eine Gelegenheit: Hinter den beiden Toren des weiträumigen Stadions hatte man auch von außerhalb eine gute Sicht auf das Treiben auf dem Rasen. Fußballgucken für lau. Und dann noch ein 4:0. Die Reise hatte sich gelohnt.

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