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Problembär Bildung

Immense Aufgaben, begrenztes Interesse: Die Berliner Koalitionspartner in spe reißen sich nicht ums Bildungsressort

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 2 Min.
Nachfolgerin oder Nachfolger gesucht: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wird demnächst ihren Amtsstab weiterreichen.
Nachfolgerin oder Nachfolger gesucht: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wird demnächst ihren Amtsstab weiterreichen.

Wer auch immer Nachfolgerin oder Nachfolger von Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wird: Auf sie oder ihn wartet ein Berg von Problemen. Klar ist, dass mit dem Mammutressort Bildung, Jugend und Familie nur schwerlich ein Blumentopf zu gewinnen ist. Die kritische Personalsituation an vielen Schulen, die schleppende Lehrkräfteausbildung, die zum Teil großen Lerndefizite der Schülerinnen und Schüler, dazu die Reibungsverluste zwischen der Senatsverwaltung und den Bezirken als den Schulträgern - einfach dürfte es nicht werden, den Bildungstanker zu manövrieren. Scheeres selbst kann ein Lied hiervon singen.

So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass es offenkundig keinen der alten und wohl auch künftigen Berliner Koalitionspartner sonderlich zu dem Ressort drängt. Zur Wahrheit gehört dabei, dass eine Bildungssenatorin oder ein Bildungssenator der Linkspartei in Teilen der Stadt nur schwer zu vermitteln sein könnte. So sorgt etwa die von der Linken immer wieder geforderte Stärkung der Gemeinschaftsschulen verlässlich dafür, dass in manchen Westbezirken die alten Frontstadtsirenen angeworfen werden. Der Partei selbst dürfte ohnehin eher daran gelegen sein, ihre bisherigen drei Senatsverwaltungen zu verteidigen.

Auch die Grünen scheinen Beobachtern zufolge bislang andere Präferenzen zu haben, statt sich den Problembär Bildung ans Bein zu binden. Bleibt also die SPD, die das Ressort seit einem Vierteljahrhundert besetzt. Wobei Zweifel durchaus berechtigt sind, ob das nach so langer Zeit eine gute Idee ist. Aber wer weiß: Sofern der nächste Senator oder die nächste Senatorin bereit ist, über das Herumdoktern an Einzelproblemen hinauszugehen und gemeinsam mit den Beschäftigten, den Schülern und ihren Eltern neue Wege in der Bildungspolitik einschlägt, spielt das Parteibuch womöglich nur eine untergeordnete Rolle.

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