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Irans Pionierinnen auf großer Bühne

Behinderungen des eigenen Verbands zum Trotz treten iranische Fußballerinnen erstmals beim Asien-Cup an

  • Von Frank Hellmann, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 5 Min.
Erst seit letztem Jahr dürfen die besten iranischen Fußballerinnen im Adazi-Sportkomplex von Teheran trainieren. Doch längst noch nicht all ihre Wünsche werden erfüllt.
Erst seit letztem Jahr dürfen die besten iranischen Fußballerinnen im Adazi-Sportkomplex von Teheran trainieren. Doch längst noch nicht all ihre Wünsche werden erfüllt.

Vielleicht ist es diesmal gar nicht wichtig, wie das allererste Spiel beim Asien-Cup der Frauen ausgeht. Wenn die indischen Fußballerinnen als Gastgeberinnen am Donnerstag in dem gewöhnlich für Cricket genutzten D.Y. Patil Stadium von Mumbai antreten, ist zunächst bemerkenswert, gegen wen sie dieses unter Hoheit der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC stehende Turnier überhaupt eröffnen: das iranische Frauen-Nationalteam, das sich erstmals überhaupt qualifiziert hat - in einer beeindruckenden Mixtur aus Trotz und Tapferkeit.

Die größten Widerstände gegen dieses Team gibt es noch immer im eigenen Land, wo das Regime die Frauenrechte beschneidet und die Sanktionen der USA gleichzeitig jene jungen Bevölkerungsteile verzweifeln lassen, die eigentlich auf eine Öffnung zum Westen hoffen. Vorübergehend war der Iran aus der Weltrangliste der Fußballerinnen ganz verschwunden, weil die offiziellen Aktivitäten bis hinunter auf die Vereinsebene zum Erliegen gekommen waren. Weil aber der Weltverband Fifa auf Fortschritte und die Förderung des Frauenfußballs besteht, musste sich der nationale Fußballverband FFI bewegen, zumal Fußball im Iran auch bei Frauen und Mädchen sehr beliebt ist. Ganz zum Unwillen des erzkonservativen Klerus, der mit Verweis auf die strengen islamistischen Regeln im Land den Frauen für Jahrzehnte rigoros den Besuch in Fußballstadien verbot.

Maryam Irandoost hat das Nationalteam im vergangenen Jahr aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Bereits zum zweiten Mal als Nationaltrainerin tätig, sicherte sie sich die Unterstützung von Shohreh Mousavi, die als Vizepräsidentin des iranischen Fußballverbandes über Einfluss verfügt, weil sie der AFC-Frauenkommission angehört.

Die auch international gut vernetzte 42-jährige Irandoost räumte in wenigen Monaten viele Blockaden beiseite, schaffte Ausrüstung an, sichtete die Spielerinnen und erreichte deren Unterbringung im Adazi-Sportkomplex von Teheran für die Vorbereitung auf erste Freundschaftsspiele. Die Aktivistin drohte zwischenzeitlich gar mit ihrem Rücktritt, als der Verband keine Gehälter für ihren Stab zahlen wollte.

Nur mit dem Ansinnen, ihren Vater Nosrat Irandoost, einen ehemaligen Spieler und erfahrenen Vereinsmanager, als Technischen Direktor fürs Frauen-Nationalteam einzustellen, kam sie nicht durch. Seine Anwesenheit untersagte das iranische Ministerium für Sport und Jugend mit der Begründung, es könne nicht sein, dass er den verschleierten Sportlerinnen aus nächster Nähe zusehe. Vorbereitungsspiele für den Asien-Cup kamen ebenfalls nicht zustande, weil die Verbandsoberen meinten, die tapferen Pionierinnen in Stollenschuhen hätten schon genug Aufmerksamkeit bekommen. Tatsächlich sind die Popularitätswerte der Fußballerinnen enorm gestiegen. Die meisten von ihnen stammen aus den unteren sozialen Schichten und sehr entlegenen Dörfern. Ihre Familien zeigen sich jetzt unendlich stolz auf sie.

Die Iranerinnen gehen als krasse Außenseiterinnen in ein Turnier, bei dem bis zum 6. Februar immerhin fünf feste asiatische Qualifikanten und zwei weitere Playoff-Plätze für die Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland ausgespielt werden. Mit der Aufstockung von 24 auf 32 Endrundenteilnehmer sollen eben nicht nur Nationen mit etablierten Strukturen wie Japan, China oder Südkorea an der WM teilnehmen. Dennoch bleibt die Tür für das qualitativ unterklassige Team des Iran wohl noch geschlossen. Aber auch so gibt es viel zu gewinnen, vor allem mehr Wertschätzung und Respekt.

Ausgerechnet Prinz Ali bin al-Hussein, Sohn des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien und Präsident des jordanischen Fußballverbands (JFA), hat die Bekanntheit der iranischen Fußballerinnen stark erhöht, als er bei der AFC nach der Vorausscheidung eine Beschwerde vorbrachte, die hohe Wellen schlug. Der jordanische Prinz forderte eine »Geschlechtsüberprüfung« der iranischen Torhüterin Zohreh Koudaei, nachdem diese beim 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Jordanien mit mehreren Paraden geglänzt hatte. Zudem twitterte er, dass der iranische Fußball »eine Vorgeschichte mit Geschlechter- und Dopingproblemen« habe. Damit hatte der Fall politischen Sprengstoff.

Trainerin Irandoost wies die Vorwürfe gegenüber iranischen Medien umgehend zurück. »Das medizinische Personal hat jede Spielerin des Nationalteams sorgfältig auf die Hormone untersucht.« Ihr Team erreichte aus der Heimat eine unverhoffte Welle der Unterstützung - speziell männliche Fans machten aus der Torhüterin plötzlich das »tapfere und schöne Mädchen« des iranischen Fußballs. Zudem wurden Bilder aus dem Haus ihres Vaters gezeigt, wie ihre Mutter erst betete und später vor Freude weinte, als ihre Tochter den jordanischen Elfmeter hielt. Bereits als Schulkind, erzählte Koudaei selbst, habe sie als Schreinerin hart gearbeitet. »Ich stamme aus einer Familie, in der ich früh arbeiten musste, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.«

Auch die freiberufliche Fotografin Maryam Majd, die über die Jahre einen engen Draht zu den Spielerinnen aufgebaut hat, beteuert: »Alle medizinischen Belege und Untersuchungen haben gezeigt, dass sie eine Frau ist. Das ist die Wahrheit, die die ganze Welt wissen sollte.« Die 34-Jährige hat übrigens ihre Ersparnisse zusammengekratzt, um beim Frauen-Asien-Cup 2022 als einzige akkreditierte Fotografin aus dem Iran dabei sein, wenn der unermüdliche Kampf um Anerkennung nicht nur für ihre Landsfrauen in Indien in die nächste Runde geht.

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