… und wir lesen doch!

Zum nd-Programm bei »Leipzig liest«

  • Von Olaf koppe
  • Lesedauer: 4 Min.
Wir lesen! Trotz erneuter Absage der Leipziger Buchmesse finden alle nd-Lesungen statt.
Wir lesen! Trotz erneuter Absage der Leipziger Buchmesse finden alle nd-Lesungen statt.

Auch wenn es einige befürchtet hatten, schlug die erneute Absage der Leipziger Buchmesse ein wie ein Bombe. Besonders Autorinnen und Autoren und die vielen kleineren unabhängigen Verlage waren mit dem »Spiel« der Großen hinter den Kulissen und dem Sich-Verzocken der Messeleitung ganz und gar nicht einverstanden.

»nd« berichtete darüber. Bereits die im Herbst angekündigten verschärften »Hygienemaßnahmen« der Messe verhießen nichts Gutes, machten sie doch intensivere Begegnungen zwischen den Verlagen, den Autorinnen und Autoren und ihren Leserinnen und Lesern so gut wie unmöglich. So musste auch »nd« seine Planungen für die beim Publikum beliebte Gesprächsreihe am nd-Messestand einstellen.

Aber wir haben uns - ebenso wie viele Verlage - nicht einfach mit der Messeabsage abgefunden, zumal die Organisatoren des Lesefestes »Leipzig liest« und viele Veranstaltungsorte in Leipzig signalisierten: »Nee, nee, wir lesen trotzdem!« Und so hat »nd« mit seinem langjährigen Partner Interim by linxxnet in Leipzig-Lindenau ein Gesprächs- und Leseprogramm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann (Details siehe Randspalte).

Los geht es am Mittwoch, 16. März, mit einer Informationsveranstaltung zur nd.Genossenschaft. Vorstandsmitglied Ines Wallroth und nd-Verlagsleiter Rouzbeh Taheri werden dabei Rede und Antwort stehen. Am Mittwochabend stellt sich die Initiative verlagegegenrechts vor, der mehr als 180 Verlage und Einzelpersonen angehören. Dazu wird es eine von nd-Redakteur Robert D. Meyer moderierte Gesprächsrunde mit der Journalistin und Autorin Heike Kleffener und dem Investigativjournalisten Henrik Merker zum medialen Umgang mit rechten Strömungen geben.

Am Donnerstag, den 17. März, stellt die Berliner Schriftstellerin Isobel Markus ihren Debütroman »Der Satz« vor. Er handelt von Verdrängung, Sprachlosigkeit und Schuldgefühlen, von Entscheidungen, die, so klein sie auch zu sein scheinen, einen folgenreichen Einfluss auf Lebenswege haben können. »Wagenknecht - Deutsches Volk & nationaler Sozialismus« heißt ein weiterer Band der Reihe »Gestalten der Faschisierung«, in dem sich Mitherausgeber Klaus Weber, an diesem Tag zu Gast, kritisch mit verschiedenen Auffassungen der bekannten Linke-Politikerin auseinandersetzt.

Am Abend wird Hadija Haruna-Oelker ihr für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiertes Buch »Die Schönheit der Differenz. Miteinander anders denken« vorstellen, in dem sie ihre persönliche Geschichte erzählt und sie mit gesellschaftspolitischem Nachdenken verbindet.

Der Freitag, 18. März, beginnt mit einer Lesung aus dem Roman »Klinge. Ein Straßenkinderroman« und dem Gespräch mit der Autorin Gönül Kıvılcım. Mit Witz und Wärme, ungeschönt und bisweilen brutal schildert die Autorin das Leben einer Straßenkindergang und die Kehrseite der Boomtown Istanbul.

Am frühen Abend wird dann Kristina Lunz ihr Buch mit der interessanten Titelthese »Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch« vorstellen. Die Politikwissenschaftlerin, Aktivistin und Entrepreneurin denkt Frieden, Menschenrechte und Gerechtigkeit mit Außenpolitik zusammen und will so einen Paradigmenwechsel einleiten.

Zum Abschluss dieses Tages gibt es eine Poetry-Slam-Session mit drei hochkarätigen Slam-Poetinnen und ihren brandneuen Spoken-Word-Texten, mit haarscharf beobachteter Gesellschaftskritik, einfühlsamer Lyrik und unterhaltsamer Prosa - präsentiert von der Autorin und höchst inoffiziellen Kiezkaiserin Josephine von Blueten Staub.

Am Sonnabend, 19. März, werden Valeria Bruschi und Moritz Zeiler das von ihnen herausgegebene Buch »Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik« vorstellen. Sie vertreten unter anderem die These, dass ein Green New Deal bestenfalls zur Modernisierung des Kapitalismus führt, die Klimakrise aber nicht wird lösen können, und fordern deshalb eine Produktion, Verteilung und einen Konsum nach menschlichen Bedürfnissen wie auch einen respektvollen Umgang mit der Natur.

Der bekannte Defa-Regisseur Siegfried Kühn hat sich für die Präsentation seines Romans »Du küsst wie Rachmaninow. Eine Liebesgeschichte« etwas Besonderes einfallen lassen: Er bringt als Vorleser den auch vielen Leipzigern bekannten Schauspieler Christian Steyer mit. Abgeschlossen wird die Veranstaltungsreihe am Samstagabend mit Philipp Böhm und seinem Erzählband »Supermilch«. Die Geschichten des Autors beschreiben eine unruhige, nervöse Zeit - sie handeln von der Transformation in der Arbeitswelt, von digitalem Alltag und der Zerstörung der Natur. Die Menschen sind überfordert von ihrer Lohnarbeit, die doch angeblich mehr sein soll als nur Arbeit.

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