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  • Hormontherapie bei trans Kindern

Leiden verhindern

Über Hormongaben und Hormontherapien bei trans Kindern wird heftig diskutiert

  • Von Ravna Marin Siever
  • Lesedauer: 3 Min.
Aus feministischen Archiven
Aus feministischen Archiven

Trans Kinder wissen oft schon früh, dass sie ein anderes Geschlecht haben, als ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Wenn sie auf verständnisvolle Eltern und Lehrer*innen treffen, können sie selbst ihre Kleidung, ihre Frisur wählen und sich für einen anderen Namen entscheiden. Die meisten Kinder, Eltern und Therapeut*innen berichten, dass es den Kindern so viel besser geht.

Wenn die Pubertät näher rückt, steht eine Entscheidung über die körperlichen Veränderungen der jungen Jugendlichen an. Wenn sich der eigene Körper in völliger Dissonanz zur eigenen geschlechtlichen Identität verändert, kann das sehr belastend sein und auch zu langfristigen Gesundheitsschäden führen.

Oft wird daher der Pubertätsbeginn erst einmal durch die Gabe von Hormonblockern hinausgezögert. Das ist keine dauerhafte Option, denn die Pubertät ist für die Gesamtentwicklung von Jugendlichen ein wichtiger Prozess: Wachstum, Entwicklung des Gehirns, Stimmveränderungen und Knochendichte sind einige körperliche Aspekte, doch auch die psychische und soziale Entwicklung von Jugendlichen ist davon beeinflusst.
Jugendliche, deren Pubertät deutlich später oder früher als bei Altersgenoss*innen beginnt, leiden oft unter dieser ungleichzeitigen Entwicklung.

Wenn die Pubertät nicht weiter hinausgezögert werden kann, gibt es zwei Optionen: Entweder setzt der*die Jugendliche die Hormonblocker ab und die körpereigene Pubertät beginnt. Oder der*die Jugendliche beginnt eine Hormonersatztherapie. Egal welche Entscheidung getroffen wird, sie hat immer Konsequenzen. Es gibt keine neutrale Option, wenn es um die Pubertät geht.

Bevor Hormonblocker gegeben werden oder eine Hormonersatztherapie begonnen wird, werden Kinder und Eltern endokrinologisch, psychotherapeutisch und oft auch durch Hilfsorganisationen beraten und beim Entscheidungsprozess unterstützt.

Wenn eine Person, die eine östrogengeprägte Pubertät hätte, mit Testosteron behandelt wird, regt die das Wachstum von Körper- und Gesichtsbehaarung an, der Stimmbruch setzt ein, Fett- und Muskelverteilung verändern sich, Schwellkörper im Genitalbereich wachsen, die Hautstruktur wird gröber. Es passiert also all das, was bei einer testosterongeprägten Pubertät auch passieren würde. Im umgekehrten Fall wachsen deutlich weniger Haare auf dem Körper und im Gesicht, die Hüften werden breiter und das Brustwachstum beginnt, Schwellkörper und auch sonstiges Gewebe im Genitalbereich wächst nicht so stark, die Hautstruktur bleibt eher glatt.

Es kommt also zu den Veränderungen, die üblicherweise bei der Pubertät passieren – nur nicht an den Körpern, bei denen wir diese gewohnt sind. All diese Veränderungen passieren allmählich, über viele Jahre hinweg. Bemerkt ein*e Jugendliche*r, dass die Hormonersatztherapie doch nicht das Richtige ist, werden die Hormone abgesetzt und die körpereigene Hormonproduktion beginnt. Vieles bildet sich von selbst zurück: das Haarwachstum wird weniger oder mehr, die Hautstruktur verändert sich, Fett- und Muskelgewebe verteilen sich um.

Teile der Pubertät sind irreversibel oder können nur durch operative Eingriffe rückgängig gemacht werden. Dieses Problem betrifft vor allem erwachsene trans Personen, welche die falsche Pubertät in ihrer Jugend durchlaufen mussten und dann eine zweite Pubertät im Erwachsenenalter erleben. Trans Frauen hadern oft mit ihrem vorherigen Bartwachstum und ihrer Stimme, trans Männer quälen sich häufig mit den entstandenen Brüsten.

Hormonblocker und Hormontherapien im Jugendalter verhindern vor allem Leiden. Sie werden ärztlich begleitet und kontrolliert. Anders als oft suggeriert wird, sind sie kein Hype oder Trend – sondern sorgsam erwogene und medizinisch notwendige Maßnahmen, die psychische und körperliche Schäden abwenden oder mindern. Sie sind eine Entscheidung für die Gesundheit von trans Jugendlichen.

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